Heute gedenkt die Kirche der heiligen Teresa von Ávila. Sie ist eine der großen Frauengestalten der Kirche – bekannt für ihre Schriften und ihre tiefe Gottesbeziehung. In ihrem Buch „Die innere Burg der Seele" beschreibt sie die Seele als ein Schloss mit vielen ineinanderliegenden Zimmern, durch die man sich, Raum für Raum, immer tiefer der Gottesbegegnung nähert. Ihr ganzes Leben hat sie Gott und dem Kloster gewidmet. Man könnte meinen, so jemand schwebt permanent über den Dingen des Alltags. Doch von ihr stammt auch ein ganz anderer, berühmter Satz: Gott sei „auch unter den Töpfen und Pfannen" zu finden.
Teresa war eine echte Powerfrau: Sie reformierte Klöster, führte Verhandlungen, kümmerte sich um Finanzen und Bauarbeiten – mitten im Trubel des Alltäglichen. Dabei reiste sie durch ganz Spanien, oft unter widrigsten Bedingungen, und musste sich gegen Widerstände aus der eigenen Kirche behaupten. Für sie war das kein Widerspruch zur Gottesbegegnung, sondern deren Ort. Die Kartoffel schälen, die Wäsche waschen, das lästige Gespräch führen: All das konnte für sie zum Gebet werden, wenn man es mit wacher Aufmerksamkeit tat.
Das nimmt dem Alltag etwas von seiner Schwere und macht ihn zugleich bedeutsamer: Jede noch so banale Verrichtung kann zum Ort der Begegnung werden, wenn wir sie nicht bloß abarbeiten, sondern bewusst gestalten. Man muss nicht in eine Klosterzelle fliehen oder tagelang schweigen, um Gott zu begegnen. Er lässt sich offenbar auch beim Abwasch finden, im Stau, in der Küche vor dem Herd. Die Bibel drückt das ähnlich aus: „Ob ihr nun esst oder trinkt oder was ihr tut: Tut alles zur Ehre Gottes." (1. Korinther 10,31)
Vielleicht probieren Sie es heute ja auch Mal aus: die nächste lästige Aufgabe nicht nur abzuarbeiten, sondern ganz bewusst mit Aufmerksamkeit zu tun. Wer weiß, was sich darin finden lässt – vielleicht sogar ein Stück von dem, was Teresa in der „inneren Burg" ausdrückt: dass Gott gar nicht so weit weg ist, wie wir manchmal denken.