Ich musste mal wieder „von Pontius zu Pilatus“ laufen! Das sagte meine Mutter manchmal, wenn sie an einem Tag – mit viel Aufwand, aber wenig Ertrag – abends nach Hause kam. Oft ging es dabei um Behördengänge, Kinderkleidung oder seltene Südfrüchte. Das ist jetzt schon Jahrzehnte her.
Vielleicht wissen Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, dass die Redewendung „von Pontius zu Pilatus laufen“ mit dem Neuen Testament verbunden ist; sie bezieht sich auf den Gerichtsprozess von Jesus Christus. Denn der wurde vom Statthalter Pontius Pilatus von einer Instanz zur nächsten geschickt.
Es gibt viele solcher Geflügelten Worte mit biblischem Hintergrund: Manche Leute können sich die Bemerkung nicht verkneifen, im Kinderzimmer sehe es mal wieder aus wie „Sodom und Gomorrha“. Freundlicher klingt es da schon, wenn einem Menschen nachgesagt wird, er sei weise wie Salomo oder alt wie Methusalem.
Am heutigen 30. September ist der Festtag des heiligen Hieronymus. Er war der größte Bibelübersetzer des Altertums, und wir in Europa haben ihm wirklich viel zu verdanken. Denn er entschied sich – gegen den Widerstand mancher Christen –, zu den biblischen Urtexten zurückzukehren und alles neu aus dem Hebräischen und Griechischen zu übersetzen. Damit kam er dem Original sehr nah. Er übersetzte nicht Wort für Wort, sondern so, dass der tiefere Sinn eines Textes aufleuchtet.
Auf die Frage nach dem für ihn wichtigsten Buch der Weltliteratur antwortete Bertolt Brecht: „Sie werden lachen, die Bibel!“ Auf dieses „Buch der Bücher“ berufen sich Juden und Christen. Aber auch der Koran wäre ohne die Bibel nicht denkbar. In der Bibel finden sich die Wurzeln der Menschenrechte und das Verbot, Fremde auszubeuten und zu unterdrücken.
Sie sehen: Es gibt viele Gründe, mal wieder neugierig in diesem großen Buch zu lesen!