Es heißt einfach Kinder und ist das berühmteste Lied von Bettina Wegner. Als ich es das erste Mal hörte, wurde mir klar: Fast nichts auf dieser Welt kann wichtiger sein als das, worum es der Sängerin hier geht.
Die Künstlerin protestiert gegen ein Menschenbild, das Kinder als knetbare Masse betrachtet. Ihre Botschaft lautet: Kurz nach der Geburt, ganz am Anfang des Lebensweges sind „wir alle“ besonders verletzbar – Sind so kleine Hände / winz‘ge Finger dran. / Darf man nie drauf schlagen / die zerbrechen dann.
Wo Lüge regiert, beschädige sie die Menschen von innen her: Sind so schöne Münder / sprechen alles aus. / Darf man nie verbieten / Kommt sonst nichts mehr raus.
Wer auf Angst und Drill setzt, um den Willen kleiner Menschen zu brechen, beschädigt ihre „Seelen“.
Sind so kleine Seelen / offen und ganz frei. Darf man niemals quälen / gehn kaputt dabei. Und weiter: Ist son kleines Rückgrat / sieht man fast noch nicht. / Darf man niemals beugen / weil es sonst zerbricht. / Gerade, klare Menschen / wärn ein schönes Ziel. / Leute ohne Rückgrat / haben wir schon zu viel.
Das Lied Kinder ist in einer Situation politischer Unterdrückung entstanden, aber es gilt universal. Es erinnert mich an das, was das Neue Testament über den „neuen Adam“, über Jesus Christus, sagt. Da ist von Mächten die Rede, die ihm die ganze Welt zu Füßen legen wollen – dafür sollte er sein Rückgrat bloß mal ein ganz klein wenig verbiegen. Aber Jesus weigert sich. Er weiß, wenn ich damit anfange und dem Teufel einen Zentimeter entgegenkomme, dann ist alles verloren.
„Wir alle“, Kleine und Große, in Verletzlichkeit und Schwäche, haben die Chance, in dem „neuen Adam“ ein Vorbild zu sehen. Ich denke, er gehört zu den „geraden, klaren Menschen“, von denen Bettina Wegner singt. Sein Rückgrat hatte Zeit, fest zu werden durch die liebevolle Beziehung zu Gott und den Menschen.