„Selbst die allerschlechteste christliche Welt würde ich der besten heidnischen vorziehen“ – so antwortet Heinrich Böll auf die Frage des Kirchenkritikers Karlheinz Deschner: Was halten Sie vom Christentum? In einer christlich geprägten Welt, erklärt der Schriftsteller, gebe „es Raum für die, denen keine heidnische Welt je Raum gab: für Krüppel und Kranke, Alte und Schwache“ – und dazu die Hoffnung auf eine Welt, die uns alle zu Schwestern und Brüdern macht.
Daran musste ich denken, als ich den Film Von Göttern und Menschen kürzlich zum zweiten Mal gesehen habe. Der Film zeigt eine Gruppe französischer Ordensleute in Algerien, die in Einklang und Freundschaft mit ihren muslimischen Nachbarn leben.
Neun Trappistenmönche ringen in einer Welt des Terrors darum, Frieden und Menschlichkeit zu bewahren. Dazu gehört – und das ist spannend anzusehen – auch die monastische Weisheit, dass ein Oberer nicht über die Köpfe seiner Mitbrüder hinweg entscheiden kann. Gehen oder Bleiben? Für die Brüder im Film wird das zu einer Frage über Leben und Tod.
Wer den Film heute sieht, hat längst davon erfahren, dass er auf einer wahren Begebenheit beruht: Vor dreißig Jahren wurden sieben Mönche aus dem algerischen Kloster Notre-Dame entführt und ermordet. Weder Gruppenzwang noch Bekehrungseifer waren dafür verantwortlich, dass sie trotz Drohungen ausharrten. Sie wollten ihr Kloster als Ort des Friedens und der Versöhnung nicht verlassen.
Der Schauspieler Lambert Wilson, der den Prior verkörpert, erklärte dazu in einem Interview: „Ich denke, die Leute lieben diesen Film, weil er bestimmte Werte bringt, die wir heute brauchen: Liebe, Brüderlichkeit, auf den Nachbarn zugehen. Der Film sagt: Habt keine Angst vor anderen!“
Ich glaube, Heinrich Böll hatte – ähnlich wie die Mönche – die Hoffnung auf eine Welt im Sinn, die uns alle zu Schwestern und Brüdern macht.