Auf dem Bild sind mehrere Steine zu sehen, die mit dem Wort "Frieden" in weißer Farbe und goldenen Akzenten bemalt sind. Die Steine liegen zusammen auf einer Holzunterlage. Das Bild vermittelt eine Botschaft des Friedens und der Harmonie.
08.05
2026
06:50
Uhr

Hoffnung auf Befreiung

Ein Beitrag von Frank Städler

Heute vor 81 Jahren endete der 2. Weltkrieg, die Waffen schwiegen. Stunde Null. Worauf hofften die Menschen damals?

Meine Oma hoffte konkret, dass ihr Mann heil aus dem Krieg zurückkommen und miterleben würde, wie seine 6 Kinder in Frieden aufwachsen. Die Familie war aus Pommern geflohen vor der heranrückenden Roten Armee und hatte Zuflucht bei der Schwester meiner Oma im Mecklenburgischen gefunden.

Worauf hofften die Menschen 1945? Viele darauf, dass es nun im Frieden tatsächlich einen Neuanfang geben würde. Frieden, Heilung, Aufbau, Gerechtigkeit, Versöhnung.

Und woran denken wir heute, 81 Jahre später, wenn wir diesen Tag bedenken?

Ich erinnere mich an meine Kindheit in Ost -Berlin. Wir wohnten etwa 200 m von einem Mahnmal für gefallene sowjetische Soldaten entfernt. „Ewiger Ruhm den Helden der Sowjetarmee“ steht dort in deutscher und russischer Sprache. Immer am 8. Mai versammelten sich dort Soldaten. Auch mein täglicher Schulweg führte am Mahnmal vorbei.

Auf meinem wöchentlichen Weg zur Jungen Gemeinde bog ich direkt links davor ab. Dort lernte ich das Lied „Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer“ kennen. In der vierten Strophe heißt es: Herr, du bist Richter, du nur kannst befreien…

Daran muss ich heute denken, wenn ich an die unterschiedliche Füllung des Wortes Befreiung und den Streit darum denke.

Mir hat das Aufwachsen im christlichen Glauben tatsächlich Freiheit geschenkt: Die Freiheit des Geistes, Phrasen der Zeit zu hinterfragen. Mich hat das Nachdenken über die Inhalte meines Glaubens gestärkt, über den Tag hinauszusehen.

Ich glaube, dass es in jeder Weltlage Hoffnung gibt. Auch heute. Meine Hoffnung gründet in Gott, der Menschen befreit, und so lautet die 4. Strophe des Liedes: „Herr, du bist Richter, du nur kannst befreien; wenn du uns freisprichst, dann ist Freiheit da. Freiheit, sie gilt für Menschen, Völker, Rassen, so weit, wie deine Liebe uns umgreift.“

Das Wort „Rasse“ ist heute problematisch, weil es Menschen trennt, doch dass Freiheit für alle Menschen gilt – genauso wie Gottes Liebe, das ist immer noch richtig. Auch heute.