Bei Gesprächen vor einer kirchlichen Trauung frage ich das Paar meistens nach einer verbindenden Hoffnung, nach einem gemeinsamen Wunsch. Oft ist die Antwort: dass unser Weg gut weitergeht. Oder: wir wollen ein Kind bekommen und möchten eine Familie werden.
Kinder sind Hoffnung auf zwei Beinen, jedenfalls für viele Menschen. Zeichen, dass das Leben weitergeht und Zukunft hat. Ich glaube, gerade diese Welt braucht neue Generationen, damit es besser weitergeht und aus unseren Fehlern gelernt wird. In der Bibel sind Hoffnung und Zukunft ganz oft mit Kindern verbunden. Nachkommen werden als ein Schatz angesehen, als Segen, der sich ausbreiten wird.
Doch erstaunlicherweise wird diese Art Hoffnung schon gleich am Anfang bei einem Paar auf eine harte Probe gestellt: Abraham und Sara. In der Überlieferung sagt Abraham: Herr, mein Gott, was willst du mir geben? Ich gehe dahin ohne Kinder und mein Knecht… wird mein Haus besitzen (1. Mo.15). Damals eine Katastrophe. Die eigene Linie stirbt aus und im Alter ist man nicht versorgt. Wie soll sich der Segen, den Gott Abraham und den Seinen zugesagt hat, da ausbreiten? Da antwortet Gott: Geh hinaus; sieh gen Himmel und zähle die Sterne; kannst du sie zählen?
Viele Menschen lieben es Stammbäume der eigenen Familie zu erstellen. Sie beginnen vielleicht bei den Großeltern und zeichnen eine Art Baum, der sich immer weiter verzweigt. Sie treffen Entscheidungen, wer gehört dazu und wer nicht. Und doch wissen wir: Nicht jeder Lebensweg fügt sich in so einen Baum ein. Nicht alle haben Kinder oder Enkelkinder – und trotzdem gehört ihr Leben, ihre Geschichte, ihre Liebe in dieses große Bild von Vergangenheit und Zukunft. Mit Dankbarkeit für das, was war – und mit Hoffnung, dass es gut weitergeht.
Hoffnung ist auch: dass etwas von dem, was ich beginne, weiterführt. Dass Spuren bleiben – in den Herzen anderer Menschen, im Miteinander von Generationen, in dem, was wir einander weitergeben.
So geschah es dann doch bei Abraham und Sara: Ihre Hoffnung wurde auf die Probe gestellt. Und doch wird ihr Leben zum Segen – weiter, als sie es selbst sehen können. Diese Hoffnung breitet sich aus, von Mensch zu Mensch, von Generation zu Generation.