Es ist schon ein Unikat, das seit mittlerweile 100 Tagen auf dem katholischen St. Hedwig/St. Pius-Friedhof in Berlin-Hohenschönhausen steht: ein sogenannter „Kiosk der Kostbarkeiten“. Dahinter verbirgt sich ein besonderer Automat, der Trauernden „Goldmomente für die Seele“ schenken will – ganz alltagstauglich und lebenspraktisch. Dazu enthält er fünf unterschiedlich gefüllte Sorten von Goldboxen mit den Namen Trostgold, Sternstunden, Bauchgefühle, Lichtblick und Weggefährten. Diese wollen auf verschiedene Bedürfnisse und Gefühle von Menschen in Trauersituationen reagieren: trösten und ermutigen. Dankbar zurück und zuversichtlich nach vorne schauen. Wut in Mut verwandeln. Hoffnungsschimmer im Dunkeln spenden. Spüren lassen, dass man nicht allein ist.
So zeigt die katholische Kirche von Berlin auf eine (bisher) unübliche Weise, dass sie an alltäglichen Orten präsent ist und etwas zur Verfügung stellt, was Menschen in einer belastenden Lebenssituation brauchen können – unabhängig von deren Religionszugehörigkeit und persönlichen Lebenseinstellung. Damit ergänzt der Automat kirchliche Angebote in der Trauerarbeit, bei denen die persönliche Begegnung und individuelle Begleitung im Vordergrund stehen. Und er ermöglicht Trauernden, sich ganz selbstbestimmt zu holen, was sie gerade an Zuspruch brauchen – unabhängig von klassischen Öffnungszeiten. Und für den Fall, dass es irgendwann doch ein Gespräch sein könnte, das guttut, sind in den Boxen Kontaktmöglichkeiten enthalten.
Die Erfahrung nach 100 Tagen ist überwältigend: viele Menschen lassen sich von diesem Angebot ansprechen. Beim Auffüllen des Automaten ergeben sich immer wieder berührende Gespräche mit Besucherinnen und Besuchern des Friedhofs. Briefe und Mails erzählen, welche Wege die Boxen nehmen und wo sie Hoffnung schenken. Ideen, wie das Projekt weiterentwickelt werden könnte, werden gesponnen. Weitere Orte für einen solch besonderen Kiosk der Kostbarkeiten werden vorgeschlagen.
Davon fühle ich mich als Initiatorin beschenkt. Und so wird der besondere Automat auf dem Friedhof in Berlin-Hohenschönhausen auch für mich zu einem Kiosk der Kostbarkeiten.