Zwei Frauen stehen vor einem schwarzen Hintergrund. Eine Frau mit langen, lockigen Haaren und schwarzem Oberteil lächelt, während die andere Frau in einem schwarzen Blazer eine Hand mit einem kleinen Gegenstand hebt. Die Atmosphäre wirkt freundlich und kommunikativ.
29.08
2025
06:50
Uhr

Kontakt ist die Überwindung wert

von Vikarin Friederike Feldmann

Ich wollte eigentlich gar nicht hin – zu dieser Geburtstagsfeier einer alten Freundin. Ich kannte niemanden und fühlte mich unwohl. Aber ich wollte dem Abend eine Chance geben. Zwei Stunden bleibe ich mindestens, das hatte ich mir fest vorgenommen. Klingt vielleicht nicht so nach Spaß, aber: Oft überraschen mich Abende, auf die ich erstmal nicht so Lust habe. Für die ich mich selbst vom Sofa hochziehen muss. So wie dieser. Ich blicke auf die Uhr: 1 Stunde 45 geschafft, gleich mache ich mich auf den Heimweg. Denke ich so bei mir. Da sehe ich sie plötzlich am Buffet stehen. Eine Frau in meinem Alter. Sie wirkt unsicher, offensichtlich auch allein gekommen – so wie ich. Sie lächelt schüchtern und ich fasse mir ein Herz. Wir kommen ins Gespräch und verstehen uns auf Anhieb. Wir lachen und tanzen. Der Abend zieht sich weit über meine veranschlagten 2 Stunden hinaus. Heute, zwei Jahre später, ist sie eine meiner besten Freundinnen. Für Kontakt, besonders mit fremden Menschen, brauche ich manchmal immer noch eine Menge Mut. Doch dann denke ich an unsere Geschichte und daran, was damals der Lohn für meine erste mutige Frage gewesen ist. Kontakte – die meisten jedenfalls – sind eine Bereicherung – auch wenn am Anfang fast immer eine kleine Überwindung steht.
Ich versuche diesen Mut auch in anderen Kontaktsituationen aufzubringen. Wenn Menschen auf der Straße oder im Supermarkt grimmig gucken, dann versuche ich bewusst sie anzulächeln. Meiner Nachbarin, die mich im Hausflur ignoriert, wünsche ich immer ganz laut einen wunderschönen Tag. Und ich versuche auch, den Kontakt mit Menschen nicht zu meiden, die eine andere Meinung haben als ich. Ist auch eine Überwindung. Solche Kontakte sind mühsam und verlangen einem viel ab. Am Ende ist es oft eine Bereicherung – und ich bekomme einen ganz neuen Blick aufs Leben. Es lohnt sich also, sich vom Sofa aufzuraffen, auf andere zuzugehen, die erste Frage zu stellen. 
Wenn man in die Bibel schaut, dann erzählen viele Geschichten von diesem Bedürfnis des Menschen nach Kontakt. Kontakt zu den Mitmenschen und Kontakt zu Gott. Sie erzählen das Scheitern und Gelingen von Beziehungen, von Konflikten und Versöhnung und von der besonderen der ersten Begegnung. Von kleinen Überwindungen und ganz großen Bereicherungen.