Als Kind hatte ich eine Puppe, die sprechen und singen konnte. Sie war mir durch ihre Unberechenbarkeit jedoch lange Zeit etwas unheimlich: Mal gab sie keinen Ton von sich, egal welche Knöpfe ich drückte. Und dann sang sie plötzlich einfach ihr Lied in die Stille meines Kinderzimmers. Einmal sogar mitten in der Nacht. Ängstlich lief ich zu meinen Eltern und versteckte mich unter ihrer Bettdecke. Mein Vater konnte mich beruhigen. Als gelernter Elektromeister erklärte er mir, was genau da in meiner Puppe vor sich ging. Irgendwo zwischen Kabeln und Kontakten sprang der Funke nicht mehr richtig über. Meine Puppe hatte einen Wackelkontakt. Diese Erklärung hat die Beziehung zu meiner Puppe damals gerettet. cut
In meinen Beziehungen heute wünschte ich mir auch, dass es so einfach ginge, wie es im 1. Brief des Johannes klingt: „Lasst uns einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott“ (1. Johannes 4,7) Inzwischen weiß ich jedoch: Gute Beziehungen brauchen gute Pflege. Und zwar von beiden Seiten. Denn wenn Beziehungen nicht stimmen und der Kontakt wackelt, dann belastet das – ob ich will oder nicht.
Was also tun bei einem Wackelkontakt? Was tun, wenn die Verbindung nicht mehr stimmt? Die evangelische Theologin Dorothee Sölle sagte, dass unsere Beziehungsfähigkeit eine Sprache braucht, die mehr ist als die der Argumente. Also eine Mischung aus allem: Worte, eine Umarmung, ein vorsichtiger Händedruck, ein offenes Ohr, eine Karte aus dem Urlaub, ein Schmunzeln, eine SMS, oder ein gemeinsames Essen – wie es Jesus in so vielen Geschichten der Bibel mit Fremden und Freunden teilte. Auch Jesu Beziehungen liefen nicht nur harmonisch ab, oft gab es Diskussionen oder Streit – die Kunst liegt manchmal darin geduldig zu verzeihen aber auch loszulassen.
So springt der Funken Liebe über, der über alle Wackler und Störungen hinweg den Kontakt aufrechterhält – auch den Kontakt zu mir selbst.