Ein Bekannter von mir meldet sich regelmäßig bei mir - allerdings nur, wenn er etwas ausleihen will oder meine Hilfe braucht. Da fühle ich mich ausgenutzt: Der Kontakt dient nur dem Zweck, dass er bekommt, was er braucht. An mir als Mensch scheint er nicht wirklich Interesse zu haben. Zweckfreundschaft nennt sich das.
Ganz anders ist es mit meinem Freund Andreas: Wir sehen uns ungefähr alle drei Monate. Immer ist es toll. Und jedes Mal sagen wir uns: lass' uns doch mal öfter im Kontakt bleiben. Anrufen, schreiben, vielleicht zusammen was essen gehen und ein Bier trinken. Klingt einfach – klappt trotzdem nicht.
Eine Nachricht zu schreiben ist wirklich nicht schwer - ich könnte das überall und jederzeit tun. Und doch dauert es Monate, bis ich ihm schreibe - der Alltag ist zu voll, es gibt zu viele Dinge im Kopf zu behalten. Sich einfach mal melden - das fällt dann leider bei mir hinten runter. Meistens braucht es einen Anlass, damit wir wieder Kontakt aufnehmen - und dann sagt einer von uns hinterher wieder: Du, lass uns doch mal wieder was zusammen machen.
Wenn wir uns dann sehen, ist das eine richtig gute Zeit. Wir tauschen uns aus über Gott und die Welt, über das, was es Neues gibt bei uns, wir teilen Erlebnisse, offene Fragen und Probleme, Tiefgründiges und weniger Tiefgründiges.
Wenn ich grundsätzlicher darüber nachdenke, wird mir klar: Kontakte sind ein menschliches Grundbedürfnis, egal ob mit oder ohne Anlass, ob zweckfrei oder gebunden. Wir sind echte „Beziehungstiere". Manche mehr, andere weniger. Kontakte gehören zum Menschsein einfach dazu. Wenn sie fehlen, fehlt mir etwas.
Als Christ glaube ich, dass das daran liegt, dass ich "als Gottes Ebenbild" geschaffen bin. Sein Gegenüber – so steht es in der Bibel. Und darum wird der Mensch auch nicht allein erschaffen, sondern zu zweit. Der christliche Gott selber ist ja mehr als einer. Das meint der Begriff Dreieinigkeit - ein Gott in drei Personen: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Gott selber ist also Beziehung und hat uns Menschen für Beziehungen geschaffen. Je mehr ich mich darauf einlasse, desto mehr bin ich Mensch - desto mehr bin ich der als der ich geschaffen wurde. Das werde ich dem Kollegen mal erzählen, wenn er wieder mal meine Bohrmaschine braucht….
Katharina Pfuhl