Bis vor etwa 300 Jahren galt der heutige Tag in Schweden als der dunkelste Tag des Jahres, Wintersonnenwende. Aber es wurde auch zum Tag eines besonderen Festes: das Luciafest. Benannt nach der Heiligen Luzia, was ‚die Leuchtende‘ oder ‚Lichtträgerin‘ bedeutet. Ein Fest des Lichts in einer dunklen Welt!
Dazu fällt mir gleich der Lockdown ein - als Corona meine Gemeinschaft zu Hause festhielt. Wir machten was ganz Verrücktes! Wir lasen gemeinsam ein Buch. Und was passte besser in diese dunkle Zeit, als ein Buch mit dem Titel: „Licht im Vorhof der Hölle“.
Die Autorin Jackie Pullinger, Protestantin aus England, wollte unbedingt Missionarin werden. Sie war aber mit 22 zu jung – und außerdem eine Frau – in den 60er Jahren ein echtes Hindernis! Einem Traum folgend, buchte sie eine Schiffspassage nach Hongkong, mit nur 10 Dollar im Gepäck. Zunächst arbeitete sie als Lehrerin. Doch bald entdeckte sie die ‚Verlorene Stadt Kowloon‘, ein gesetzloser, von kriminellen Banden kontrollierter Ort voller Opiumhöhlen, Porno-Kinos und Prostitution. Ein echter Vorhof zur Hölle für so eine junge Jesus-Enthusiastin! Das Jugendzentrum, das sie für Drogenabhängige und Obdachlose gründete, wurde immer wieder zerstört. Erst das gemeinsame Gebet mit den Süchtigen wurde zum Gamechanger. Es setzte so viel Kraft frei, dass Heroinabhängige schafften, ihre Sucht zu überwinden. Mit der Zeit schlossen sich immer mehr Menschen Jackie Pullinger an. Auch Bandenmitglieder und andere Kriminelle. Unglaublich!
Meine Gemeinschaft las das Buch mit Spannung. Wir litten bei jedem Rückschlag und fieberten mit beim Aufbau der Rehabilitationszentren. Hier leben bis heute ehemalige Drogenabhängige, Prostituierte und Bandenmitglieder als christliche Gemeinschaft zusammen.
Ich habe sie später einmal persönlich kennenlernen dürfen - Jackie Pullinger - und war beeindruckt von ihrer Bodenständigkeit. War sie eine Luzia, eine „Lichtträgerin“? Bestimmt! Aber, sie würde nie behaupten, dass das ‚Licht im Vorhof der Hölle‘ sie selbst sei. Pullinger lebt aus einer Quelle der Liebe, die für sie Gott ist. Dieses Licht müssen die Menschen erkannt haben.
Ich wünsche Ihnen einen lichtvollen Tag!