12.12
2025
06:50
Uhr

Unsere Liebe Frau von Guadalupe

Austausch über die Grenzen der Kulturen

Ein Beitrag von Lissy Eichert

Haben Sie schon mal eine Wallfahrt gemacht? Ein Kumpel von mir hat letztens eine gemacht. Er kratzte sein sauer verdientes Geld zusammen und wallfahrtete 14 Tage zu sämtlichen Katy Perry – Konzerten. 

Es gibt natürlich auch religiöse Wallfahrten. Zum Marienheiligtum in Lourdes, zum Beispiel. Oder zum Petersdom in Rom. Aber beide Stätten haben zusammen nicht so viele Besucher wie ein scheinbar unbedeutender Hügel in Mexiko-Stadt. 20 Millionen Menschen besuchen pro Jahr die ‘Basilica de Guadalupe‘. Warum? 

Ich muss weiter ausholen, bis zurück ins 16. Jahrhundert. Mexiko war in fester Hand der spanischen Eroberer. Sie unterwarfen das Aztekenreich und verachteten die Indigenen. Da verwundert es umso mehr, dass Maria – die Mutter Gottes – ausgerechnet einem Indigenen erschien. Juan Diego war ein armer Mann, in Spaniens Augen ein ungebildeter Wilder. Aber damit nicht genug: Maria erscheint Juan Diego als dunkelhäutige Aztekenprinzessin und spricht zu ihm in Nahuatl, seiner aztekischen Muttersprache, die von den Eroberern verboten worden war! Laut Überlieferung bittet Maria ihn um die Errichtung einer kleinen Kapelle. An diesem Ort sollten Menschen „Liebe, Hilfe und Mitgefühl“ erfahren. Die Wahl Juan Diegos als Gottes Auserwählten konnte nur eins bedeuten: Dass alle Ureinwohner Amerikas wichtig und wertvoll sind. 

„Unsere Liebe Frau von Guadalupe“ wie Maria fortan auch genannt wird, gilt als Brücke für einen Austausch über die Grenzen der Kulturen hinweg. 

Und ich habe sie mir angesehen, die Maria der Hoffnung für die Unterdrückten, deren Gedenktag wir heute feiern. Als ich in meiner Studentenzeit nach Mexiko kam, war die Kapelle längst viel zu klein geworden für die vielen Wallfahrer. An ihrer Stelle thront nun eine Basilika mit Platz für 40.000 Menschen, der größte Wallfahrtsort Lateinamerikas. Viele kommen, um ihr Idol zu sehen. Den Star, der den Mächtigen Respekt lehrte: Es ist das Bildnis einer bescheidenen Frau mit gefalteten Händen an der Seite Gottes, die einsteht für alle Menschen.