Manchmal schenkt uns der graue Dezember trotzdem eine sternenklare Nacht. Wie letztens. Ich stehe in Brandenburg auf einem Acker und es funkelt ganz wunderbar über mir. Mein Atem steigt als Nebel zum Himmel, während ich mich an wärmere Tage erinnere. Pilgern im Sommer, Übernachten in Schlafsäcken unter freiem Himmel – im Hotel „À LA BELLE ÉTOILE"- zum schönen Stern - nannten wir das. Ich erinnere liebevolle Begegnungen, Momente des Glücks. Und Momente des Schicksals.
Plötzlich fällt mir Theo ein. Ein 13jähriger Junge, der auf dem Rücksitz des Autos sitzt und seinen Vater fragt: „Muss ich jetzt sterben?“
Es war im Sommer. Sie kamen gerade vom Arzt. Es war Krebs und die Prognose düster. „Junge, das weiß ich nicht“, antwortet der Vater. Theo war Ministrant in meiner Gemeinde, später Gruppenleiter. Im Leben zwischen Ohnmacht und Möglichkeiten entschied Theo sich für die Möglichkeiten. Er mochte Musik, schrieb eigene Songs und rappte dazu. Theo war ein echter Netzwerker, brachte Menschen zusammen. Nach dem Abi begann er ein Medizinstudium. Immer war die unheilbare Krankheit sein Begleiter, die stets drei Schritte hinter ihm zu gehen hatte. „Ich will einfach nur ein normales Leben führen“, sagte er mir, als ich ihn fragte, woher er die Kraft nahm.
Theo wurde 24 Jahre alt. Es ist seine bescheidene, klare Art den Weg mit der Krankheit zu gehen, die mich tief bewegt hat. Vielleicht war das Geheimnis seiner Bescheidenheit, und auch Zielstrebigkeit, sein Wissen um die eigene Vergänglichkeit. „Unsere Tage zu zählen, lehre uns! Dann gewinnen wir ein weises Herz“ (Ps 39,5), so heißt eine Weisheit in der Bibel.
Ich schließe wieder die Augen, atme tief die klare, kalte Luft ein. Als ich die Augen wieder öffne, funkelt mich unverdrossen liebevoll die Pracht von oben an. Mein Herz schlägt immer noch, die Erde trägt mich weiterhin. Aber ich kann mich gar nicht genug über dieses Geschenk freuen! Genau das ist es: Vom Ende her nach vorne leben! Danke Theo, dass Du mir mit deiner Haltung wie ein leuchtender Stern bist! Der mir am Abend und am Morgen den Weg für diesen Tag weist.