«Bei mir bekommt jeder, was er verdient.» sagt ein Kevin Costner zum anderen Cowboy. Breitbeinig stehen sie da. In meiner derzeitigen Lieblingsserie. «Bei mir bekommt jeder, was er verdient.» Ein klarer Satz. Aber stimmt er wirklich?
Der gleiche Satz ist aufgetaucht als Kevin Costner Robin Hood vor über 30 Jahren gespielt hat. Da raubt er den Reichen das Geld und gibt es an die Armen weiter. Und legt sich dafür mit Prinz John und dem Sheriff von Nottingham ganz schön an. Es bekommt also doch nicht jeder das, was er verdient?! Soviel in Sachen Gerechtigkeit.
Die Bibel spricht auch ständig davon – auf ganz unterschiedliche Weise. In den Briefen an die frühen christlichen Gemeinden, schreibt man: «Haltet durch, Eurer Lohn wartet im Himmel auf Euch!» Im Alten Testament erscheint Gott manchmal als der Rächer, der selbst für Gerechtigkeit sorgt. Und der ägyptische Pharao bekommt, was er verdient, als er das Volk Israel nicht aus der Sklaverei frei geben will. Und doch geht es in der Bibel immer wieder um etwas Größeres als bloße Gerechtigkeit. Denn, wäre es eigentlich gerecht, wenn jeder bekommt, was er verdient?
Für viele ist nicht die Frage «Hab ich eigentlich einen Mindestlohn verdient?», sondern vielmehr die Frage «Womit hab ich das eigentlich verdient?» Immer schon haben wir Menschen uns das gefragt. Und fast ebenso lange haben andere geantwortet: Naja, du hast dich ja auch entsprechend verhalten. So sieht das auch der Cowboy Kevin Costner aus meiner Serie: Was du tust, das fällt auf dich zurück. Wie gesagt, die Bibel kennt etwas noch Grösseres. Etwas, das die strenge Logik der Gerechtigkeit sprengt: Barmherzigkeit. Vergebung. Liebe.
Liebe ist auch wie ein Geschenk. Zack. Hier haste. Hab Spass daran! Ich schenke es dir. Sagt Gott. Nimms an. Haste dir nicht verdient. Darum isses ja ein Geschenk. Das ist das Coole am christlichen Glauben: Ich hab sie nicht verdient, die Liebe Gottes. Ich bekomme sie gratis. Einfach so. Liebt er mich ins Leben hinein. Das muss ich nicht verdienen. Das kann ich mir auch gar nicht verdienen. Und daraus entspringt die grosse Freiheit eines Christenmenschen. Gott fängt immer wieder neu mit mir an. Jedes Mal, wenn ich Mist gebaut habe, oder im Leben falsch abgebogen bin. Er hält an seiner Liebe zu mir fest und vergibt mir, was ich mir oft selber nicht vergeben kann. Das ist mehr als ich verdiene. Das ist Gnade.