Ich habe immer gern gearbeitet, zuletzt in der Logistik bei einem Zulieferer der Autoindustrie, dann als Betriebsrätin, die letzten vier Jahre war als Betriebsratsvorsitzende.
Als die Ruhephase meiner Altersteilzeit bevorstand, wusste ich, dass ich eine Aufgabe brauche. Von 100 auf 0, das ging für mich nicht! Ich suchte etwas Sinnvolles, das mit Menschen zu tun hat. In meiner Kirchengemeinde wurde ich angesprochen, ob ich nicht Interesse hätte, bei der Telefonseelsorge mitzuarbeiten. Das hatte ich! Und ich habe es bisher nicht bereut.
Bevor der tatsächliche Dienst beginnt, durchlaufen die Bewerber ein Schulungsprogramm mehrere Monate, bis die Beauftragung im Gottesdienst erfolgt. Inzwischen bin ich seit sieben Jahren dabei.
Das Telefon ist 24/7 besetzt, d.h. auch nachts. In meiner Dienststelle, also nicht zu Hause, ist die Schicht in vier Stunden eingeteilt.
Am Telefon geht es vor allem ums Zuhören. Alles anonym. Anrufer und der Telefonseelsorger kennen und sehen sich nicht, deshalb sind die Anrufenden sehr offen. Für sie geht es vor allem darum, jemanden zu haben, der ihnen zuhört!
Die Telefonseelsorger sind offen für alle Probleme. Im Gespräch sind wir beieinander, ich kann Trost spenden, ermutigen, helfen bei Ängsten und Einsamkeit. Beispielsweise gibt es Anrufende, die Angst vor einer Diagnose, Operation, Krankheit oder Tod haben und wie sie das ihren Angehörigen und Freunden sagen sollen.
Es rufen viele einsame Menschen an, die sich von der Gesellschaft ausgeschlossen fühlen: Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder mit familiären Beziehungsproblemen einschließlich Zukunftsängsten. Armut und Arbeitslosigkeit genau wie Perspektivlosigkeit gehören zu den Themen, die die Menschen bedrücken. Am Ende des Gesprächs äußern einige Anrufer ihren Dank, dass es die Telefonseelsorge gibt. Die ganze Vielfalt des Lebens an Sorgen und Nöten wird am Telefon ausgebreitet.
Was macht das mit mir? Es macht mich vor allem dankbar für mein eigenes Leben, ja auch demütig. Manches vermeintliche Problem in meinem eigenen Leben wird zum Problemchen. Bisher hatte ich ein gutes Leben, mit Höhen und Tiefen. Dafür bin ich dankbar und möchte durch mein Ehrenamt bei der Telefonseelsorge der Gesellschaft etwas zurückgeben.