Vor einigen Jahren habe ich auf einer Kinderfreizeit ein Mädchen kennengelernt. Jana war damals ungefähr acht Jahre alt.
Wir übernachteten in Bauwagen und waren den ganzen Tag draußen unterwegs.
Und Jana war verliebt. Nicht in einen Menschen. Sie war verliebt in die Schöpfung.
Sie blieb ständig stehen. „Boah, schaut mal! Was für ein Baum! Ist der nicht unglaublich?" Oder: „Hört mal den Vogel! Wie kann der solche Geräusche machen?" Und bei jeder Wiese geriet sie ins Staunen: „So viele Pflanzen! Und alle sehen anders aus. Ist das nicht krass?"
Sie sagte das nicht andächtig oder feierlich. Sondern mit der Begeisterung eines Fans, der seinem Lieblingsstar begegnet.
Wir Betreuerinnen mussten oft lachen. Irgendwann sagte eine von uns: „Jana ist wieder schöpfungsverliebt."
Dieser Satz ist mir geblieben. In letzter Zeit denke ich oft an Jana.
Denn die Nachrichten erzählen von Wäldern, die brennen. Von Flüssen, die austrocknen. Von Arten, die verschwinden. Und plötzlich spüre ich Traurigkeit. Nicht nur, weil wir Lebensräume verlieren. Sondern weil ich mir nicht vorstellen möchte, dass Kinder eines Tages weniger haben, worüber sie staunen können.
Denn am Anfang von Schutz steht das Staunen.
Was uns gleichgültig ist, vermissen wir nicht. Was wir lieben, darauf achten wir. Ein Baum, unter dem wir gerne sitzen. Ein Vogelruf, den wir wiedererkennen. Eine Wiese voller unterschiedlicher Pflanzen. All das ist dann nicht einfach nur da. Es bekommt Bedeutung.
In der Bibel heißt es nach jedem Schöpfungstag: „Und Gott sah, dass es gut war."
Ich glaube, Jana hat etwas von diesem Blick bewahrt. Sie hat nicht zuerst gefragt, welchen Nutzen ein Baum hat oder wie selten eine Pflanze ist. Sie hat einfach gestaunt.
Staunen ist mehr als Bewunderung. Wer staunt, geht eine Beziehung ein. Und was wir lieben, das wollen wir schützen.
Ich wünsche mir, dass wir uns etwas von Janas Begeisterung bewahren. Dass wir nicht aufhören, Bäume anzusehen, Vogelstimmen zu hören oder über die Vielfalt der Pflanzen zu staunen.
Damit sich noch viele Kinder nach uns in diese wunderbare Schöpfung verlieben können.
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