Jeden Morgen, wenn ich meine Wohnung verlasse, überschreite ich eine Schwelle. Sie ist eingelassen in den Boden. Meist muss ich meinen Fuß ein klein wenig heben, um nicht darüber zu stolpern. Die etwas erhobene Schwelle verhindert ganz praktisch, dass ein ständiger Luftzug ins Innere des Hauses dringt. Und sie erinnert mich daran, dass ich mit diesem kleinen Schritt vom Privaten ins Öffentliche trete. Aus dem eigenen Zuhause wird das Miteinander. Vom Ich zum Du.
Manchmal freue ich mich schon darauf, am Abend dieselbe Schwelle wieder zu überschreiten. Die Tür vor der Welt draußen zu verschließen. Und manchmal sehne mich danach, endlich hinaus ins Freie treten zu können -weg aus der Enge meines Seins.
Eine Schwelle markiert einen Übergang. Nicht nur an der Wohnungstür. Auch an der Tür einer Kirche. Viele Menschen zögern, diese Schwelle zu überschreiten. Vielleicht, weil sie glauben, dort nicht hinzugehören. Oder weil sie nicht wissen, was sie erwartet.
Und das meint nicht, das viele Kirchen leider verschlossen sind, wenn ich an ihre Tür klinke, sondern, dass es von außen gesehen zu speziell erscheint, was dort drinnen passiert.
Wie kann ich diese Schwelle übertreten, ohne gleich als fremd erkannt zu werden? Mir scheint, das gelingt am leichtesten im Urlaub, in der Fremde. Da habe ich meine Komfortzone verlassen und kann es unbeobachtet oder in einer Gruppe mit anderen Fremden praktizieren: in eine Kirche zu gehen, um sie zu sehen und um in ihr zu sein.
Besonders reizvoll finde ich es allein eine Kirche zu betreten. Ich drücke die Klinke. Die Tür ist offen, und wenn ich dann achtsam meine Füße hebe, um nicht über die steinerne Schwelle zu stolpern.
Hier führt zu einem anderen Du. Zu Gott. Kirchen werden ja nicht umsonst Gotteshaus genannt. Ein Haus, einer anderen Begegnungsmöglichkeit.
Kann ich hier finden, wonach mein Herz sich sehnt? Ja, ich möchte gestärkt wieder hinaus gehen in die weite Welt. Darum überschreite ich diese Schwelle immer wieder: um Kraft zu finden für den Weg, der vor mir liegt.
Er saß auf einem Stuhl am Türpfosten (1.Samuel 1,9)