Ich saß in der S-Bahn. Mir gegenüber saß ein junger Mann in kurzen Hosen, und auf seinem Oberschenkel war ein großes Tattoo zu sehen. Es war eine Kinderzeichnung. Eigentlich bin ich kein Freund von Tattoos, aber dieses Bild gefiel mir.
Ich sprach den Mann an, und er erzählte mir, dass seine kleine Tochter dieses Bild gemalt hätte. Weil es ihm auch so gut gefiel, hat er sich damit tätowieren lassen. „So denke ich immer an mein Töchterchen“, sagte der Vater mit einem verschmitzten Lächeln. „O“, dachte ich, „das ist doch eine wunderbare Liebeserklärung an seine kleine Tochter.“
Mir fiel sofort eine Heilige ein, die Hl. Josephine Bakhita. Morgen ist übrigens ihr Namenstag. Bakhita heißt eigentlich „die Glückliche“, aber so glücklich ist ihr Leben am Anfang nicht verlaufen. Bakhita wurde vor 150 Jahren im Sudan geboren. Als kleines Mädchen wurde sie beim Spielen entführt und als Sklavin verkauft. Bei ihren Herrinnen und Herren musste sie viel Leid erfahren, wurde geschlagen und gequält. Damit sie nicht weglaufen konnte, hat man mit einem Messer Kennzeichen in ihre Haut geritzt und mit einer Säure übergossen. Es muss wahnsinnig schmerzhaft gewesen sein.
Doch eines Tages änderte sich ihr Leben. Ein italienischer Händler brachte sie nach Italien. Dort wurde sie zur Erziehung in die Obhut von Ordensschwestern gegeben. Als Bakhita erwachsen wurde, trat sie in das Kloster ein. Sie wurde getauft und empfand dies als ein großes Glück. „Nun bin ich eine Tochter Gottes geworden.“
Die Narben, die ihre damaligen Herren auf grausame Weise eingeritzt haben, sind ihr geblieben. Doch inzwischen hat ein anderer sein Kennzeichen tief in ihre Seele eingeschrieben. Sie hat – wenn man so will – ein neues Tattoo bekommen. Gott hat ihr seine Liebe ins Herz geschrieben. Dieses neue Tattoo hat ihr geholfen, die alten Wunden heilen zu lassen und jetzt – wie ihr Name sagt – eine Glückliche zu werden.