Ein junger Mann steht im Hintergrund und wirkt besorgt, während eine junge Frau im Vordergrund ihre Hände vor das Gesicht hält und sichtbar traurig aussieht. Die Umgebung ist ein parkähnlicher Bereich mit Bäumen und einem Weg.
02.02
2026
06:50
Uhr

Versöhnt – Simeon und Hanna

Ein Tag der Versöhnung: Von Hanna, Simeon und dem Fest der Darstellung

Heute ist eigentlich ein Festtag: das Fest der Darstellung Jesu im Tempel. In den Kirchen werden heute Kerzen geweiht. Die Älteren kennen dieses Fest daher noch unter dem Namen Maria Lichtmess. 

Der Inhalt dieses Festes ist schnell erzählt: Maria und Josef bringen ihr Kind in den Tempel, um es nach jüdischer Tradition dem Herrn zu weihen. Dabei begegnen sie zwei alten Menschen, die sich im Tempel aufhalten: Simeon und Hanna. 

Hanna – so steht es in der Bibel - war eine Witwe von 84 Jahren. Ich kann mich in ihr gut wiederfinden. Nein, nein, nicht dass ich eine alte Witwe bin. Aber das Evangelium erzählt, dass Hanna einmal jung gewesen ist, und dass sie verheiratet war. Ich stelle mir Hanna als verliebte junge Frau vor, die ihren Mann gedrückt und geküsst hat, die mit ihm gemeinsam geträumt und Pläne geschmiedet hat: über Haus, Familie und Kinder … Und dann ist es ganz anders gekommen. Hanna hat ihren Mann verloren. Aus der Traum … würden viele sagen. Doch Hanna hat nicht resigniert, sondern hat eine neue Beziehung aufgebaut, eine Beziehung zu Gott. 

Solche Erfahrungen habe ich in meinem Leben auch gemacht: Die Wirklichkeit sieht oft anders aus als das, was ich mir erträumt habe. Ich bewundere Menschen, die dann nicht resignieren, sondern wie Hanna sich mit der Wirklichkeit auseinandersetzen und ihr Leben neu ausrichten.

Auch der alte Simeon fasziniert mich. „Meine Augen haben das Heil gesehen,“ so ruft er voll Freude aus, als er Jesus sieht. Ob in seinem Leben alles so heil war?  Ich denke, auch er wird auf ein bewegtes Leben zurückgeschaut haben, mit Höhen und Tiefen, mit Erfahrungen von verletzt und geliebt werden. Vielmehr kann ich in seinem Lobpreis eine wunderbare Haltung erkennen. Wie Hanna hat auch er die Wirklichkeit seines Lebens angenommen und kann nun versöhnt auf sein Leben zurückschauen.

Diese Haltung des versöhnt seins wünsche ich mir, nicht erst am Ende meines Lebens, sondern eigentlich schon am Ende eines jeden Tages, also auch für heute.