Eine Champagnerflasche mit einem rausspringenden Korken und Funkensprühen im Hintergrund. Die Szene vermittelt ein Gefühl von Feierlichkeit und Genuss.
31.12
2025
06:50
Uhr

Türöffner

Ein Beitrag von Almut Bockisch

Letzter Tag im Jahr. Es ist so weit. Sie haben eine besondere Note, diese letzten Tage: Letzter Arbeitstag. Letzter Schultag. Letzter Urlaubstag. Letzter Tag im alten Jahr. Ein letztes Mal 2025 auf den Brief schreiben, ein letztes Mal im Messenger 2025 lesen, bevor das Jahr ab morgen einen anderen Namen, eine andere Zahl trägt.

An den letzten Tag gibt es einen hohen Erwartungsdruck: Er muss besonders sein, ausgefallen, nicht alltäglich, alles muss stimmen, alles aufgeräumt sein und erledigt. Letzter Tag – letzte Gelegenheit.

Aber wie gestaltet man einen den Tag im Jahr, das 365 Tage lang ist, das aus so vielen einzelnen Momenten und individuellen wie kollektiven Erfahrungen besteht und so vielfältig ist? Silvester als Zeitspanne des Übergangs wird oft minutiös geplant, mit ganz eigenen Traditionen: Dinner for One oder zusammen, mit Freunden, Familie oder Arbeitskolleginnen. Zuhause oder bei anderen zu Gast, am besonderen Ort, laut oder leise. Mit Korkenknallen, Fondue oder Raclette und zum Nachtisch Pfannkuchen oder alles neu und ganz anders, Hauptsache nicht alltäglich. Zu Silvester gibt es viele Traditionen des Übergangs, des initiierten Feierns. Warum eigentlich?

Von einem Jahreswechsel versprechen sich viele Neues, eine Hoffnung, die in die Zukunft trägt. Was dieses Jahr nicht geklappt, das klappt dann vielleicht im nächsten Jahr. Und diese Hoffnung auf Neuanfänge braucht es auch. Es braucht diesen markanten Übergang – vielleicht sogar mit Live-Übertragung vom Brandenburger Tor, um diesen Schritt angemessen zu gehen und gut von alt nach neu zu kommen.

Wer heute alkoholfreien oder anderen Sekt entkorkt, um auf den Übergang anzustoßen, der braucht in der Regel nicht mal einen Öffner dafür. An diesem letzten Tag des Jahres öffnet sich für mich aber auch etwas anderes: eine Perspektive, die ich auf das zurückliegende Jahr gewinne, die meinen Blick weitet und eine Tür öffnet: Dieser Übergang „zwischen den Jahren“ ist eins Türöffner, eine Gestaltungsmöglichkeit und Chance. Letzter Tag bedeutet in dem Fall auch, dass danach ein erster anderer Tag beginnt. (In der Bibel übrigens auch. Letztes und Erstes sind natürlich sehr verschieden, markieren aber für uns notwendige Rahmen, wie Türrahmen, die uns Übergänge erleichtern. Deshalb finde ich es passend, wenn wir das gestalten, nicht allein, sondern verbunden mit anderen – ob am Bildschirm, übers Radio, oder am selben Ort. Auf ein Letztes! Alles Gute!)

Vorschlag: Wenn nachher der Korken knallt, möge das ein Zeichen für Sie sein: Eine Tür geht auf: Zukunft kommt. Bei Gott ist alles möglich. Und in meinem Leben auch. Neue Tage kommen, neue Menschen, neue Chancen, neues Glück. Die Bibel nennt das Segen. Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes neues Jahr!