Zwei Hände halten jeweils ein Stück Schokolade. Eine Hand hält eine Schokoladentafel, die fast ganz ungebrochen ist, während die andere Hand ein Stück mit abgebrochenen Stückchen zeigt. Der Hintergrund ist unscharf und zeigt einen Holzfußboden.
30.12
2025
06:50
Uhr

Zartbitter

Ein Beitrag von Almut Bockisch

Knack. Dieses Knacken ist fast schon Garant für das folgende Geschmackserlebnis, nahezu eine Geschmacksexplosion, könnte man sagen. Ein helleres oder tieferes Knacken, dann zersplittert die Schokolade – je nach gegossenem Format. Die einen bevorzugen Vollmilch – ich liebe Zartbitterschokolade.

Sie hat etwas. Wer sie nicht mag, den holt vielleicht die schöne Wortbildung ab. Denn das Wort zart-bitter allein ist lekker – wie man auf Holländisch sagt, also in jedem Fall gut und lekker. Zart-bitter eben.

Zart ist schon eine interessante Umschreibung für ein Lebensmittel – bei Fleisch oder Gemüse klar. Aber zart bei Lebensmitteln mutet immer etwas flüchtig an: ein zärtlicher Moment etwa. Etwas, das sehr leicht, irgendwie zerbrechlich und kostbar ist.

Und bitter? In etwas so Süßem wie Schokolade? Aber sicher! Kakao ist ja nicht von sich aus süß. Die bittere Note kommt natürlich auch in anderen Sorten – wie edelbitter – zum Tragen. Ja, sie trägt auch ein bisschen, die bittere Note. Schafft für mich den rechten Ausgleich zur Süße, eine Balance zur Zärtlichkeit.

Einen Tag vor Jahresende fühlt die Zeit ein bisschen so an wie Zartbitterschokolade schmeckt: Mit fast zärtlichem Blick sehe ich auf das zu Ende gehende Jahr mit seinen besonderen, kostbaren Momenten. Über Manche legt sich aber auch eine bittere Note. Ein Schmerz, ein Bedauern vielleicht.

Zart-bitter also fühlt es sich für mich heute an. Der Moment, wo man die Augen schließt wie in der Werbung und in die Schokolade beißt. Ich schließe die Augen und denk an das Jahr und den Segen darin. Klar, in der Bibel geht es nicht um Schokolade. Kakaobohnen gehören nicht zum täglich Brot. Aber an Zartbitterschokolade zeigt sich trotzdem ein bisschen Lebenswirklichkeit: Im Leben mischt sich beides: Süßes mit Bitterem, Zerbrechliches und Flüchtiges. Aber anders als bei der Schokolade, die am Ende auf ihren Geschmack reduziert bleibt, mischt sich ins Leben Hoffnung. Die Hoffnung, dass es herzhaft und trotzdem süß ist. Dass wir mit unseren zarten und bitteren Erfahrungen getragen sind und nicht allein.

Ein genüssliches Knacken also mit vielen Geschmacksfacetten dieser Jahresrückblick. Im Knacken liegen Neugierde und Spannung. Das Jahr geht knackend zuende und knallend bald auch. Nicht alles war gut, aber vieles hoffentlich lecker.