Man sagt ja, jeder Mensch sei mit jedem anderen Menschen über höchstens sechs Ecken verwandt. Es passiert mir recht häufig, dass ich durch Trauerfeiern, Taufen oder Hochzeiten immer wieder neue Verwandtschaftsbeziehungen in meiner Gemeinde entdecke. Hin und wieder stolpere ich dabei über alte Geschichten und Konflikte, die bis in die Gegenwart wirken. Blut mag zwar dicker als Wasser sein, aber gegen so manchen Familienstreit hilft auch das nicht.
Eine Kollegin von mir liebt Ahnenforschung. Eines Abends meinten wir halb im Spaß: Lass uns mal versuchen herauszufinden, über wie viele Ecken wir miteinander verwandt sind! Und tatsächlich, irgendwo 5,6 oder 7 Generationen zurück haben wir gemeinsame Urururururgroßeltern.
Meine Familie ist recht weit verstreut, da freue ich mich über lebendige Verwandte aller Art. Aber wie ist das für Familien, die über Generationen mehr oder weniger in der gleichen Region geblieben sind? In meiner Gemeinde hier in Forst ist das oft der Fall, und ich frage mich: Überwiegt da die Freude über die vielen Familienmitglieder rund herum, oder gehen sie mir eher auf die Nerven?
Mir ist erstmal wichtig, Klarheit darüber zu haben, was Familie für mich bedeutet. Natürlich ist es spannend, Stammbäume über viele hundert Jahre zu verfolgen, vielleicht auch weitere lebende Verwandte 3., 4. oder 5. Grades zu entdecken. Doch Familie ist für mich mehr als Blutsverwandtschaft. Familie, das sind die Menschen, die mir am nächsten stehen, mit denen ich die guten und schlechten Tage verbringe. Und: Zu meiner Familie gehören auch Menschen, mit denen ich nicht biologisch verwandt bin.
Als Christinnen und Christen bezeichnen wir einander manchmal als Geschwister. Auch das gehört zu meiner Vorstellung von Familie. Menschen, mit denen ich mich verbunden fühle durch eine gemeinsame Geschichte: durch meinen Glauben, Freundschaft, Sympathie oder eben durch Biologie, erst sie alle zusammen bilden für mich meine Familie.