Eine gelbe Blume, vermutlich ein Löwenzahn, wächst zwischen Steinen. Die grünen Blätter umgeben den Blütenstiel, der senkrecht nach oben ragt. Das Bild zeigt die Widerstandsfähigkeit der Natur, da die Blume aus einem Riss im Boden blüht.
12.05
2026
21:58
Uhr

Butterblume

Ein Beitrag von Juliane Rumpel

Das hier ist heut für alle, die sich noch daran erinnern, dass Butter mal etwas Besonderes was.

Für alle, die noch wissen, wie billige Margarine aufs Brot schmeckt und wie man damit backt – statt mit der guten Butter. Meinem Vater wurde der Kuchenrand schmackhaft gemacht mit dem Satz: Da ist die gute Butter drin. Und ja, meine Oma hätte nie mit Margarine gebacken, das wäre gegen ihre Ehre gegangen. Lieber ein Kuchen weniger, dafür mit Butter.

 

Es gibt ja sogar eine Blume, die nach dem quaderförmigen Stück weißen Etwas auf dem Abendbrottisch benannt ist. Genau. Der Löwenzahn, der heißt auch Butterblume.

Da wir Menschen eher zum Geiz als zur Großzügigkeit neigen, hat eine Dichterin festgestellt, dass nur Gott dieser Blume diesen Namen gegeben haben kann:

 

Dem Schöpfer singt ihr lebelang

Die Butterblume diesen Dank:

Schüf mich der Mensch zu seinem Ruhme,

Wär ich ne Margarinenblume…“

 

Mit Mascha Kaléko träum ich heut Nacht von großzügigen Menschen, die sich an Gottes überfließender Gnade ein Beispiel nehmen – dank dir, du Butterblume!

 

Quelle: Mascha Kaléko: Feine Pflänzchen, München 72024, S. 36.