Im Bild sind mehrere zarte, weiße Maiglöckchen zu sehen, die an grünen Blättern wachsen. Die Blüten sind glockenförmig und gruppiert, während die Blätter eine tiefgrüne Farbe haben. Die Szene vermittelt einen frischen, natürlichen Eindruck.
16.05
2026
21:58
Uhr

Vergnügen Gottes

Ein Beitrag von Juliane Rumpel

Im Wonnemonat Mai lockt es selbst Frischluftmuffel nach draußen. Dort stellen wir dann wieder einmal fest, wie wunderschön die Welt doch ist. Einer, der vor 100 Jahren geboren wurde und sehr alt werden durfte, war der Priester, Schriftsteller und Lyriker Lothar Zenetti. Auch er liebte diese Welt und die Natur und fragte sich in einem Gedicht, was uns all ihre Schönheit wohl mal kosten wird:

 

Einmal wird uns gewiss / die Rechnung präsentiert

für den Sonnenschein / und das Rauschen der Blätter,

die sanften Maiglöckchen / und die dunklen Tannen,

für den Schnee und den Wind, / den Vogelflug und das Gras

und die Schmetterlinge, / für die Luft, die wir

geatmet haben, und den / Blick auf die Sterne

und für all die Tage, / die Abende und die Nächte.

Einmal wird es Zeit, / dass wir aufbrechen und

bezahlen; / bitte die Rechnung.

Doch wir haben sie / ohne den Wirt gemacht:

Ich habe euch eingeladen, / sagt der und lacht,

soweit die Erde reicht: / Es war mir ein Vergnügen!

Von diesem Vergnügen Gottes werd ich heut Nacht noch träumen. Sie vielleicht auch? Gute Nacht!

 

Quelle: Lothar Zenetti, Leben liegt in der Luft, Worte der Hoffnung, Ostfildern: Grünewald 2007.