Im Wonnemonat Mai lockt es selbst Frischluftmuffel nach draußen. Dort stellen wir dann wieder einmal fest, wie wunderschön die Welt doch ist. Einer, der vor 100 Jahren geboren wurde und sehr alt werden durfte, war der Priester, Schriftsteller und Lyriker Lothar Zenetti. Auch er liebte diese Welt und die Natur und fragte sich in einem Gedicht, was uns all ihre Schönheit wohl mal kosten wird:
Einmal wird uns gewiss / die Rechnung präsentiert
für den Sonnenschein / und das Rauschen der Blätter,
die sanften Maiglöckchen / und die dunklen Tannen,
für den Schnee und den Wind, / den Vogelflug und das Gras
und die Schmetterlinge, / für die Luft, die wir
geatmet haben, und den / Blick auf die Sterne
und für all die Tage, / die Abende und die Nächte.
Einmal wird es Zeit, / dass wir aufbrechen und
bezahlen; / bitte die Rechnung.
Doch wir haben sie / ohne den Wirt gemacht:
Ich habe euch eingeladen, / sagt der und lacht,
soweit die Erde reicht: / Es war mir ein Vergnügen!
Von diesem Vergnügen Gottes werd ich heut Nacht noch träumen. Sie vielleicht auch? Gute Nacht!
Quelle: Lothar Zenetti, Leben liegt in der Luft, Worte der Hoffnung, Ostfildern: Grünewald 2007.