Ein blühender Apfelbaumzweig mit weißen und rosa Blüten sowie frischen grünen Blättern. Die Blüten sind in verschiedenen Entwicklungsstadien, einige sind vollständig geöffnet, während andere noch geschlossen sind. Der Hintergrund ist unscharf und grün.
17.05
2026
21:58
Uhr

Wonnemonat Mai

Ein Beitrag von Juliane Rumpel

Im Galarock des heiteren Verschwenders,

ein Blumenzepter in der schmalen Hand,

fährt nun der Mai, der Mozart des Kalenders,

aus seiner Kutsche grüßend, über Land.

 

Es überblüht sich, er braucht nur zu winken.

Er winkt! Und rollt durch einen Farbenhain.

Blaumeisen flattern ihm voraus und Finken.

Und Pfauenaugen flügeln hinterdrein.

 

Die Apfelbäume hinterm Zaun erröten.

Die Birken machen einen grünen Knicks.

Die Drosseln spielen, auf ganz kleinen Flöten,

das Scherzo aus der Symphonie des Glücks.

 

Die Kutsche rollt durch atmende Pastelle.

Wir ziehn den Hut. Die Kutsche rollt vorbei.

Die Zeit versinkt in einer Fliederwelle.

O, gäb es doch ein Jahr aus lauter Mai!

 

So verdichtet Erich Kästner den Wonnemonat.

Und wir wissen, ja wir spüren es, an jedem Abend neu:

Nichts verweilt, kein Tag und auch kein Wonnemonat.

Alles geht vorbei und alles menschliche ist endlich.

Drum bleibt mir nur, Gott zu bitten, dass er nun meine Zeit in seinen Händen hält.

Schlafen Sie gut und schöne Träume, vielleicht vom Wonnemonat.

 

Quelle: Erich Kästner: „Der Mai“. www.deutschelyrik.de/der-mai.html (abgerufen am 07. April 2026).