Eine Woche auf der Insel Hiddensee im Mai. Viele bekannte Künstler, vor allem Malerinnen und Schriftsteller haben die Insel besucht. Auch der Schriftsteller Günter Grass zählt dazu. Von ihm stammt ein Gedicht, inspiriert vom Strand und den kleinen Fundstücken, die das Meer herantreibt.
Ein Ast
sandgeschliffen, dazu Federn,
vom Wind getragen.
Matt schlägt die See an.
Das Glück, so heißt es,
ist eine Fundsache. (1)
Im Heimatmuseum der Insel gibt es eine Ausstellung solcher Fundsachen zu bewundern. Dort gibt es viel zu sehen: Muscheln, Steine in vielen Formen und Farben.
Mir gefällt, dass Glück für den Dichter offenbar nichts ist, worüber wir verfügen können. „Der hat sein Glück gefunden“ – ist ja eine unserer Redensarten. Also: Glück finden wir. Und so, wie die Wellen des Meeres dies und das anschwemmen, so scheint es wohl auch mit dem Glück zu sein: Mal kommt eine Welle und bringt das Glück wie eine Muschel oder eine andere Fund-sache mit sich, mal nicht.
Freilich: Wenn ich die Fundsachen, die das Meer herangebracht hat, finden will, dann muss ich zum Strand gehen. Ich muss mich auf die Socken machen. Ich muss mich auf die Suche machen. Denn: Wer suchet, der findet.
Eine gute Nacht mit Gottes Segen!
Günter Grass in Renate Seydele (Hg.): Hiddensee. Geschichte von Land und Leuten, Berlin 2023, S. 588.