Eine Woche auf der Insel Hiddensee im Mai. Zu den Künstlern, die immer wieder gerne auf die Insel gekommen sind, zählt auch der Dichter Joachim Ringelnatz. Hier sein Gedicht: „Rettende Insel“:
Wenn Parteien sich und Massen
Sichtbar und geräuschvoll hassen
Klingt das mir wie Meeresrauschen
Und dann mag ich henkelltrocken
Still auf einer Insel hocken,
Die mich zusehn lässt und lauschen.
Mein Gott, wie aktuell diese Worte doch sind! Auch für mich ist die Insel so etwas wie eine Gegenwelt, in die ich eintauchen kann. Und es wird spürbar, wie ich zur Ruhe komme und die Welt „Welt“ sein lassen kann. Und die Zeit vergesse. Wunderbar!
Ringelnatz schreibt weiter:
Und wir trinken. Es gesellen
Andre sich dazu. Die Wellen
Glätten sich. Der Hass zerstiebt.
Bis zuletzt in süßer Ruhe
Niemand noch was in die Schuhe
Andrer schiebt,
Und sich alles gegenseitig
Eingehenkelt ganz unstreitig
Duldet, gernhat oder liebt. (1)
Ja! Den anderen dulden – das ist doch das Mindeste. Ich muss ihn ja nicht gleich lieben. Kann ich ja sowieso nicht immer. Wer den anderen hasst, der will ihn im Grunde vernichten. Wer den anderen duldet, der lässt ihn leben, obwohl er anders ist und anders denkt.
Eine gute Nacht mit Gottes Segen!