Ein Weg aus Sand führt durch hohe Gräser zu einem ruhigen Küstenabschnitt. Das Wasser ist calm und reflektiert das Licht, während ein Sandstrand sichtbar ist. Im Hintergrund sind Windkraftanlagen auf dem Wasser zu sehen, die eine umweltfreundliche Energiequelle symbolisieren.
18.09
2025
21:58
Uhr

Sehnsucht nach Stille und Duldung

Ein Beitrag von Frank Küchler

Eine Woche auf der Insel Hiddensee im Mai. Zu den Künstlern, die immer wieder gerne auf die Insel gekommen sind, zählt auch der Dichter Joachim Ringelnatz. Hier sein Gedicht: „Rettende Insel“:

Wenn Parteien sich und Massen

Sichtbar und geräuschvoll hassen

Klingt das mir wie Meeresrauschen

Und dann mag ich henkelltrocken

Still auf einer Insel hocken,

Die mich zusehn lässt und lauschen. 

 

Mein Gott, wie aktuell diese Worte doch sind! Auch für mich ist die Insel so etwas wie eine Gegenwelt, in die ich eintauchen kann. Und es wird spürbar, wie ich zur Ruhe komme und die Welt „Welt“ sein lassen kann. Und die Zeit vergesse. Wunderbar! 

 

Ringelnatz schreibt weiter: 

 

Und wir trinken. Es gesellen 

Andre sich dazu. Die Wellen

Glätten sich. Der Hass zerstiebt.

Bis zuletzt in süßer Ruhe 

Niemand noch was in die Schuhe 

Andrer schiebt, 

Und sich alles gegenseitig

Eingehenkelt ganz unstreitig

Duldet, gernhat oder liebt. (1)

 

Ja! Den anderen dulden – das ist doch das Mindeste. Ich muss ihn ja nicht gleich lieben. Kann ich ja sowieso nicht immer. Wer den anderen hasst, der will ihn im Grunde vernichten. Wer den anderen duldet, der lässt ihn leben, obwohl er anders ist und anders denkt.

Eine gute Nacht mit Gottes Segen!