Eine Woche auf der Insel Hiddensee im Mai. Ich war auf den Spuren von Künstlern, die die Insel mochten. Auch die Dichterin Mascha Kaléko war dort, ein Bild zeigt sie im Jahr 1930 im weißen Hosenanzug in Urlaubspose. Nur wenige Jahre später emigrierte sie dann 1938 in die USA.
Ihr Gedicht „Sozusagen grundlos vergnügt“ klingt für mich so, als sei es auf der Insel geschrieben worden. Besonders die dritte Strophe hat es mir angetan. Das hat sicher damit zu tun, dass die Zeit auf der Insel für mich eine glückliche Zeit war. Die Worte der Dichterin sprechen mir aus dem Herzen. Ja! Sich über die kleinen Dinge freuen. Alles, was um einen herum ist, wieder neu zu sehen, ohne es für selbstverständlich zu halten. Sich an der Natur zu freuen und ein Gefühl tiefer Dankbarkeit und innerer Balance in sich spüren zu dürfen. Eine Heiterkeit, die einen leicht macht.
In mir ist alles aufgeräumt und heiter:
Die Diele blitzt. Das Feuer ist geschürt.
An solchem Tag erklettert man die Leiter,
Die von der Erde in den Himmel führt.
Da kann der Mensch, wie es ihm vorgeschrieben,
– Weil er sich selber liebt – den Nächsten lieben.
Ich freue mich, dass ich mich an das Schöne
Und an das Wunder niemals ganz gewöhne.
Dass alles so erstaunlich bleibt, und neu!
Ich freu mich, dass ich … dass ich mich freu.(1)
Eine Gute Nacht mit Gottes Segen!
Mascha Kaléko: In meinen Träumen läutet es Sturm, München 2011, S. 66f.