Ich arbeite in einer Justizvollzugsanstalt als Seelsorgerin. Oft frage ich mich, warum ist ein Mensch so geworden, wie er jetzt hier ist und einen ziemlichen eintönigen Tag leben muss.
Herr Kunz, so nenne ich ihn, ist fleißig und ordentlich. Er ist für die Gemeinschaftsküche auf der Station verantwortlich. Oft steht Herr Kunz in meiner Bürotür und wir erzählen über das Essen, über dies oder das und dann macht er fragend die Tür hinter sich zu, damit wir ungestört reden können. Es braucht Zeit, bis ein Mensch Vertrauen findet. Herr Kunz denkt darüber nach, was er tun kann, wenn er rauskommt.
O, denke ich, einer, der so fleißig und verlässlich ist wie Sie – der wird sicher etwas finden.
Und dann rückt er heraus. Mich wird keiner nehmen. Ich habe soviele Einträge in meinem Register. Ein vom Arbeitgeber angefordertes Führungszeugnis wird nicht gut aussehen.
Tja, wer soll ihn einstellen? Wer gibt ihm eine Chance? Herr Kunz ist bereits in Freiheit. Ich wünsche ihm, dass er die fröhliche Lebensart, die er hat, auch draußen lebt und eine Arbeit gefunden hat.
Uns wünsche ich Gottes Segen für die Nacht und eine gute neue Woche.