Eine ältere Frau und ein kleines Kind gehen Hand in Hand auf einem Weg durch einen Park. Um sie herum sind Bäume und die Umgebung wirkt friedlich und einladend.
06.06
2026
21:58
Uhr

Robin

Ein Beitrag von Christina Brath

Ich arbeite in einem Gefängnis als Seelsorgerin.

Robin, so nenne ich ihn, ist ein Schlitzohr. Als Kind wollt ihn keiner, so schummelte er sich bei Oma durch die erste Lebenszeit. Das erlebe ich oft, dass Omas sehr wichtig sind. Schon in seiner Jugend ist er in der Jugendstrafanstalt gewesen. Davon erzählt er gerne, wie sie mit dem Seelsorger gekocht und Bücher geschrieben haben. Dort fühlte er sich wohl. 

Um seine Drogensucht zu stillen, hat er später auf verschiedenen Plattformen Dinge verkauft, die es nicht gab. Irgendwann ist er aufgeflogen, die Polizei stand in seiner kleinen Wohnung, hat alles mitgenommen – ihn auch. 

Er arbeitet hier im Gefängnis, ist fleißig, hat die höchste Lohnstufe, doch es reicht nicht, um seine Schulden, die Gerichtskosten, geschweige denn die Wohnung zu bezahlen. 

Von der Drogensucht wegzukommen, gelingt auch im Gefängnis nicht. Dafür hat er eine Therapie statt Strafe beantragt. Doch welche Sehnsucht steckt eigentlich hinter der Sucht? Darüber sprechen wir manchmal. Robin kommt immer zum Gottesdienst, diese Zeit ist ihm wichtig, nicht nur, weil es hinterher für alle Kaffee gibt.

Ich wünsche ihm und allen die Sehnsucht nach einem geglückten Leben haben, eine ruhige und glückliche Nacht.