Die Abbildung zeigt eine Innenansicht eines Gefängnisses mit mehreren Zellen hinter Gitterstäben. Die Zellen sind auf mehreren Ebenen angeordnet und verfügen über transparente Trennwände. Der Raum hat eine klare, moderne Bauweise.
01.06
2026
21:58
Uhr

Menschen im Gefängnis

Ein Beitrag von Christina Brath

Ich arbeite in einer Justizvollzugsanstalt als Seelsorgerin. Oft frage ich mich, warum ist ein Mensch so geworden, wie er jetzt hier sitzt – ja sitzt – im doppelten Sinne des Wortes.

Heute ist Kindertag, und ich denke an Adom – so nenne ich ihn heute. Und ich stelle mir seine Kindheit vor. Was hat er alles erlebt und durchgemacht. Als Kind wurde er von vielen Männern mißbraucht, verkauft und irgendwann, ist er mit dem Flugzeug nach Europa gekommen. Aber man nimmt seine Geschichten und sein Leben mit – egal wohin. Und wie kommt man dann hier an und wird heimisch? Adom spricht ein liebenswertes Deutsch, er ist fröhlich und kontaktfreudig. Und ja, er ist wieder in die gleiche Bahn, wie damals geraten. Seine Drogenabhängigkeit hat ihn fest im Griff. Sie schützt ihn, lässt ihn vieles, was in Rotlicht-Kabinen geschieht, aushalten. Aber sie macht ihn auch zum Straftäter, mit dem Urteil: Beschaffungskriminalität. 

Er ist mehrmals in die Anstalt gekommen. Nun ist er in die Freiheit entlassen. Ich wünsche ihm und allen, die solche schweren Wege gehen müssen – innere Freiheit. Uns allen wünsche ich eine gute gesegnete Nacht