Hände halten eine brennende Kerze. Das Licht der Kerze strahlt in dunkler Umgebung und symbolisiert Wärme und Hoffnung.
30.09
2025
21:58
Uhr

Lied an Gott

Ein Beitrag von Frank Küchler

Eine Woche auf der Insel Hiddensee im Mai. Ich erfahre, dass auch die Schriftstellerin Else Lasker-Schüler die Insel in den Jahren 1911 und 1913 besucht hat. Sie lebte damals in Berlin und schätzte, wie viele andere, die Insel als Ruhepol zur hektischen Großstadt. 
Auf die Frage, wie wir Gott erkennen können, geben die verschiedenen Religionen unter-schiedliche Antworten. Else Lasker-Schüler orientierte sich an der jüdischen Tradition, doch sie wusste offenbar, dass Tradition allein nicht genügt. In ihrem Gedicht „Lied an Gott“ drückt sie den Wunsch aus, dass Gott sich ihr einmal persönlich zeigt.

Die Dichterin hatte sich schon auf die Suche nach ihm gemacht. Doch bislang wohl ohne Erfolg. Das machte sie traurig. Dabei war ihr wohl klar, dass wir Menschen Gott nur finden können, wenn er sich finden lässt. Ihre Worte sind für mich eine Ermutigung, auf der Suche nach Gott nicht aufzugeben:

Ich suchte Gott auf unbeschienenen Wegen und kräuselte die Lippe nie zum Spott.

In meinem Herzen fällt ein Tränenregen. Wie soll ich dich erkennen, lieber Gott?

Da ich dein Kind bin, schäme ich mich nicht, dir ganz mein Herz vertrauend zu entfalten.

Schenk mir ein Lichtchen von dem ewigen Licht. Zwei Hände, die mich lieben, sollen es mir halten. (1)

Eine gute Nacht mit Gottes Segen! 

  1. Else Lasker-Schüler, „Lied an Gott“, in: https://www.deutschelyrik.de/ein-lied-an-gott.html (letzter Aufruf 26.8.2025)