Eine belebte Stadtstraße in Schwarz-Weiß. Menschen gehen in verschiedene Richtungen, während ein Paar Hand in Hand in die Ferne schaut. Im Hintergrund sind Gebäude und Verkehrszeichen sichtbar, die einer urbanen Umgebung entsprechen.
18.05
2026
21:58
Uhr

Omaschuhe und Pieckbein

Wenn der Alltag ruht: Erinnerungen an Menschen, Hilfe und die stille Kraft des Gehens.

Ein Beitrag von Christina Brath

Ständig sind viele unterwegs zur Arbeit, von der Arbeit, zur Schule, zum Einkaufen oder Shoppen.
Jetzt ist abendliche Ruhe. Ich schaue gedanklich auf das Unterwegssein heute zurück. So viele Menschen sind mir in Bus und Bahn begegnet.

Ich habe mir in der U-Bahn die Schuhe der Leute angesehen und mit den Schuhen, denke ich mir Geschichten über die Menschen aus. Mir sind zum Beispiel die bequemen, weichen Schuhe ohne Schnürsenkel und Klettverschluss einer alten Dame aufgefallen. Sicher ist sie da nur mühselig, vielleicht mit einem langen Schuhanzieher hineingeschlüpft. Das Bücken fällt schwer. Schnürsenkel zubinden geht schon lange nicht mehr. Überhaupt ist das Leben beschwerlicher geworden. 
Und - sie braucht ein 3. Bein, ohne Schuhe - der Stock, die Gehhilfe, die Krücke ... ich sage immer schmunzelnd: das Pieckbein. Es hilft beim Socken anziehen, etwas aufheben, verlängert den Armradius, stützt und zeigt an – hallo Leute, ich brauche ein bißchen mehr Platz und ab und zu eure Hilfe. Danke dafür. Wie gut, dass die Dame nicht allein sein muss, aus dem Haus unter Menschen geht ... gehen kann.

Ich wünsche ihr und allen, die unterwegs waren, eine Zeit des Ausruhens für die Füße und die Seele. Gott segne Sie. Gute Nacht.