Ich hab heute Geburtstag. Was ich mir denn wünsche? Die leidige Frage von Verwandten und Freunden stimmt mich Jahr für Jahr ratloser. Denn ich komme in ein Alter, wo man, statt Dinge anzuhäufen, lieber abspecken und entsorgen möchte, was man so mit sich herumschleppt und was an Kram so herumsteht. So jedenfalls geht es mir. Also, was wünsche ich mir?
Vor 5 Jahren hatte ich eine schöne Idee: Ich wünschte mir von meinen Freunden zum Geburtstag einen Apfelbaum! Als Begründung hab ich dann noch – halb im Spaß, halb im Ernst – den Spruch von Martin Luther Spruch zitiert: „Wenn morgen die Welt unterginge, würde ich noch heute ein Apfelbäumchen pflanzen.“
Das war damals mitten in der Coronazeit, wo wirklich ein bisschen Weltuntergangsstimmung herrschte.
Und so haben damals Freundinnen und Freunde so viel Geld zusammengelegt, dass sie mir gleich zwei Apfelbäumchen geschenkt haben, meine Lieblingssorten: Santana und Topaz. Wir haben sie feierlich in unserem Garten eingepflanzt und immer schön gegossen. Ein wunderbares Geschenk: In den 5 Jahren wurde jede Blüte an den Bäumchen von mir bestaunt und begrüßt und dann beobachtet, was draus wird. Na ja, maximal 6 Äpfelchen sind in den 4 Jahren insgesamt herangereift. Egal.
In diesem Jahr nun ist alles ganz anders: Die Bäume, inzwischen schon ganz schön gewachsen, biegen sich unter Last der Äpfel! Wir haben kiloweise geerntet, Apfelkuchen gebacken, Apfelmus gekocht und großzügig weiterverschenkt. Dieses Jahr ist ein Apfeljahr, so erzählen mir erfahrene Gartenbesitzer.
Dieser Spruch vom Apfelbäumchen, das man pflanzen soll entgegen aller Weltuntergangsstimmungen, den finde ich jetzt erst recht gut! Auch wenn er ein bisschen viel strapaziert wurde in der Vergangenheit! Auch wenn Lutherexperten gern betonen, dass der Spruch nachweislich gar nicht von Martin Luther stammt, sondern ihm erst später in den Mund gelegt wurde – ein „Kuckuckszitat“, wie die Literaturwissenschaft das nennt.
Egal, ich halte an meinem Geburtstag diese trotzige Hoffnung gerne hoch, meinen Geburtstagswunsch, den ich dann doch noch habe, mein Lebensmotto:
„Wenn morgen die Welt unterginge, würde ich noch heute ein Apfelbäumchen pflanzen.“