Schabbat Shalom! Heute Abend werden sie wieder vor der Synagoge am Berliner Fraenkel Ufer in Kreuzberg stehen, zwischen 20 und 50 Menschen mit Kerzen in den Händen. Während drinnen der Schabbat begrüßt wird mit Gebeten und Gesängen, steht draußen eine Mahnwache zum Schutz jüdischen Lebens in meiner Stadt, zum Schutz unserer jüdischen Nachbarinnen und Nachbarn. Seit dem Massaker der Hamas am 7. Oktober ‘23 in Südisrael werden Jüdinnen und Juden auch in Berlin angefeindet und bedroht. Ein Besuch der Synagoge ist für Gläubige hier bei uns mit der Angst verbunden, angepöbelt und angegriffen zu werden.
Um dem etwas entgegen zu setzen, organisierte Pastor Dietmar Paeschel gemeinsam mit seiner adventistischen Kirchengemeinde und anderen Engagierten eine Mahnwache unter dem Motto „Wir stehen an eurer Seite“. Inzwischen schon über 100 Mal. Freitag für Freitag, Sommer wie Winter stehen also Nachbarinnen und Nachbarn vor der Synagoge und setzen so ein Zeichen der Verbundenheit. Ich bin auch ab und zu dabei. Dabei verzichten wir bewusst auf Transparente, auf Fahnen oder Parolen. Die gottesdienstliche Atmosphäre soll nicht gestört werden.
Es geht uns also nicht darum, ein politisches Statement abzugeben. Der brutale Krieg der Netanjahu-Regierung gegen die Zivilbevölkerung in Gaza löst auch bei den Aktiven der Mahnwache Entsetzen und Ablehnung aus, auch bei vielen Mitgliedern der jüdischen Gemeinde.
In meinem Freundes- und Bekanntenkreis gab es trotzdem Vorbehalte, als ich zur Mahnwache einlud. „Nee, bei dem, was die Israelis da in Gaza veranstalten, stell ich mich doch nicht vor eine Synagoge!“
Ich glaube aber, genau darum geht es: Es geht darum, dass unterschieden wird. Es geht bei der Mahnwache am Fraenkel Ufer um eine Geste der Solidarität – nicht mit der Politik der israelischen Regierung, sondern mit unseren Nachbarn hier. Es geht um jüdisches Leben hier bei uns in Berlin. Es geht auch um Religionsfreiheit: Berliner Jüdinnen und Juden sollen am Schabbat ohne Angst in ihr Gotteshaus gehen können. Sie sollen Gemeinschaft erleben, singen und beten können, wie ich das als Christ in dieser Stadt auch tun kann, ohne Angst haben zu müssen.
Schabbat – das ist nach jüdischem Glauben ein heiliger Tag. Tag der Ruhe und des Friedens. So grüßt man sich an diesem Tag – auch bei der Mahnwache: Schabbat Schalom – Ruhe und Frieden! Für uns alle.
Katharina Pfuhl