Es war im Sommerurlaub. Zusammen mit unserer großen Tochter und den kleinen Enkeltöchtern im Allgäu. Hinter den Bergen ging strahlend die Sonne unter. Am Ufer des Sees hoben die Kinder Kieselsteine auf und warfen sie ins Wasser. Und plötzlich machten wir Erwachsenen auch mit. Ein richtiger Wettkampf: Wer schafft es am weitesten? Wer kriegt es hin, die flachen Steine gleich ein paarmal über die Wasseroberfläche ditschen zu lassen? Das tat richtig gut. Es hatte etwas Befreiendes, Steine so einfach wegzuschleudern. Immer mehr wurden versenkt.
Mir fiel dabei der Satz aus der Bibel ein: „Alle eure Sorge werft auf Gott, denn er sorgt für euch!“ Ha, wenn das doch so einfach ginge! Die Sorgen des Lebens, die sich oft wie Steine anfühlen, mal groß, mal klein, die einfach aufsammeln und wegwerfen, fortschleudern, dass sie in hohem Bogen davonfliegen und mit einem Plumps verschwinden auf Nimmerwiedersehen. Wie Steine, die man am Ufer aufliest und mit Kraft in einen See schleudert. Weg damit! Erleichternd. Befreiend. Das täte gut.
Die alltägliche Erfahrung ist allerdings eine andere, besonders jetzt nach der Urlaubszeit. „Guten Morgen, liebe Sorgen, seid ihr auch schon alle da? Habt ihr auch so gut geschlafen? Na dann ist ja alles klar!“
Sorgen gehören zum Leben. Lassen sich nie so ganz entsorgen. Sie kleben am Leben. Sie graben sich hinein in Gesichter und hinterlassen ihre Spuren.
Wenn Jesus spazieren ging am Ufer seines Sees Genezareth, empfahl er deshalb den Blick nach oben: „Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie?“
Das klingt wie eine Einladung, es doch immer wieder zu versuchen. Vielleicht so: „Mein Gott, ich werfe meine Sorgen wie Vögel in den Himmel und hoffe, dass sie ab jetzt dir um den Kopf schwirren, mir aus den Augen, aus dem Sinn!“
Aber wenn man es doch nicht schafft, die Sorgen loszuwerden?
Der Reformator Martin Luther, der selber oft sorgengeplagt war, sagte dazu:
„Du kannst nicht verhindern, dass die Vögel der Sorge und des Kummers über deinem Kopf fliegen. Aber dass sie Nester in deinen Haaren bauen, das kannst du schon verhindern!“
Also nehme ich das Urlaubsbild mit. Werfe meine Sorgen auf Gott. Und erlebe: er sorgt für mich.