Ein Sonnenuntergang hinter einer hügeligen Landschaft. Der Himmel ist in warmen Orange- und Gelbtönen gefärbt, während die Sonne knapp über dem Horizont aufgeht. Silhouetten von Bäumen sind im Vordergrund sichtbar, die eine friedliche und ruhige Atmosphäre schaffen.
23.09
2025
06:50
Uhr

Der Sonnengesang von Franziskus

Ein Beitrag von Thomas Steinbacher

„Gelobt seist du, mein Gott, mit all deinen Geschöpfen, besonders dem Bruder Sonne, der uns den Tag schenkt und durch den du uns leuchtest. Schön ist er und strahlend mit großem Glanz: ein Sinnbild für dich, Gott, du Höchster."
So strahlend hell beginnt der Sonnengesang des Franziskus von Assisi. Er zählt zu den schönsten Texten der Religionsgeschichte und gilt als eins der ältesten Zeugnisse italienischer Literatur. 
In diesem Jahr feiert der Sonnengesang seinen 800. Geburtstag. Sein Autor hatte einst alle Privilegien als superreicher junger Mann aufgegeben, um ganz in der Nachfolge Jesu ein einfaches, besitzloses Leben zu führen. Als er später dann, im Jahr 1225, seinen Sonnengesang dichtete, lag er selber todkrank in einer ärmlichen Hütte aus Strohmatten. Aufgrund einer Augenkrankheit konnte er kaum noch sehen. Der Sonnengesang entstand also in Dunkelheit, wurde also nicht an einem unbeschwerten Sommertag in romantischer Stimmung geschrieben, sondern in Krankheit und Not. 
Und trotzdem: Dieses Lied funkelt vor Freude und Glück. Die Sonne ist schön, die Sterne sind kostbar, das Wetter ist heiter, das Wasser nützlich, das Feuer fröhlich und stark und die Blumen sind bunt, dichtet Franz von Assisi. Sogar der Tod, den er vor Augen hatte - „La Morte“ - gehört als Schwester zur ganzen großen und wunderbaren Familie des Schöpfers. 
Wie aktuell doch diese franziskanische Sicht auf die Welt ist. 
Der Mensch ist nicht die Krone der Schöpfung, steht nicht über der Natur. Vielmehr ist er ein Geschwisterkind der Elemente: Schwester Sonne, Bruder Mond, Bruder Feuer, Bruder Wind und Wetter, Schwester Wasser, Mutter Erde… Wir alle sind Familie bzw. sollen es sein! Und die Bewahrung der Schöpfung, der Schutz des Klimas – das sind keine Spezialthemen für Fachleute oder irgendwelche Klima-Aktivisten, sondern das ist quasi eine Familienangelegenheit. 
Seinen „Sonnengesang“ schließt Franziskus mit den Worten.
„Lobt und preist meinen Gott und dankt ihm und dient ihm mit großer Demut.“
Das sollen wir tun.