Haben Sie schonmal eine Moschee von innen gesehen? Dann ist jetzt ein guter Zeitpunkt: Zurzeit findet gerade die Muslimische Kulturwoche statt. Sie läuft bis 5. Oktober und lädt überall in Berlin dazu ein, muslimisches Leben näher kennenzulernen. Und dazu gehört ganz viel: Musik, Kunst, Literatur, Essen und Trinken - auch Religion. „Näher kommen und Frieden schaffen“ so lautet das Motto.
Na ja, etwas Überwindung kostet es schon, dahin zu gehen, wo ich mich nicht auskenne, die eigene Blase anzupieksen, fremde Welten kennen zu lernen – auch wenn sie so nahe beieinander liegen wie in der Metropole Berlin.
Unsere Kirchengemeinde in Neukölln hat sich vor einem halben Jahr darauf eingelassen und dabei eine tolle Erfahrung gemacht. Damals war Ramadan, der muslimische Fastenmonat. Und der fiel in diesem Jahr mit der christlichen Fastenzeit vor Ostern zusammen. Die Anfrage kam von der Moschee aus der Nachbarschaft. Ein paar Ehrenamtliche von dort kannten wir schon von gemeinsamen Aktionen für Kinder und Jugendliche im Kiez. Nun knüpften sie an diese Bekanntschaft an und fragten: Wollen wir nicht noch ein bisschen intensiver was zusammen machen, gern auch mal bei euch in der Kirche? Eine gemeinsame Iftar-Feier zum Beispiel? Iftar - so heißt das abendliche Fastenbrechen im Ramadan.
Ein bisschen mulmig war uns schon: Muslime in unserer Kirche? Ein Gotteshaus ist schon was anderes als ein dritter Ort irgendwo anders.
Doch dann haben wir JA gesagt und miteinander einen Abend organisiert zum Thema „Fasten im Christentum und im Islam“. Kinder und Erwachsene konnten anhand von Quizspielen und Ausstellungsstücken kennenlernen, was so die Unterschiede sind zwischen christlichen und muslimischen Traditionen. Aber auch, wo es Gemeinsamkeiten gibt. Und dann wurden im voll besetzten Kirchsaal zwei Reden gehalten - eine von mir, dem Pastor, und eine vom Imam der Moscheegemeinde. Und was soll ich sagen? Wir waren schwer beeindruckt von der Freundlichkeit und dem Respekt, den uns unsere Gäste entgegenbrachten. Beeindruckt auch von ihrer Art zu beten mit dem ganzen Körper. Bei Sonnenuntergang waren dann alle zum Iftar-Essen eingeladen. Ein großes arabisches Büfett, wo Nachbarn miteinander feierten, die sich bisher fremd waren. Ein toller Abend. „Näher kommen und Frieden schaffen“ – das tut so gut!
Fridolin freudenfett, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons