Ein Paar barfuß stehende Füße auf einer Wiese, umgeben von bunten Blumen. Die Perspektive zeigt den Blick von oben auf die Füße und den grünen Boden, der mit verschiedenen Wildblumen übersät ist.
31.07
2026
06:50
Uhr

Du stellst meine Füße auf weiten Raum (Psalm 31, 9)

Seit Jahren lieben meine Kinder ein Computerspiel und spielen es, wann immer sie es dürfen:
Minecraft. Wenn ich es mit zwei Worten erklären soll, würde ich sagen digitales Lego. Man baut Welten aus Würfeln – mit zahlreichen Varianten, mit Tieren und Blumen und Wasser und Land und ich muss gestehen: ich vergesse meist alles ganz schnell wieder, was mir darüber erzählt wird. Tut mir leid. Ehrlich!

Aber eines ist mir hängengeblieben. In Minecraft ist ein Würfel die kleinste Einheit. Und diese Würfel nebeneinander und übereinander gebaut ergibt dann das, was auch immer du dir vorstellst. Selbst innerhalb dieses Würfels ist ein bisschen Platz. Auch für Tiere. Nämlich exakt 23. Sobald man in diese würfelgroße Fläche ein 24. Huhn oder Schaf oder was auch immer stellt, sterben alle. 

Es gibt also ein zu viel für eine bestimmte Menge Platz. 

Das ist wie im echten Leben, da frage ich mich das auch manchmal – wieviel Platz, wieviel Raum braucht ein Mensch damit es ihm gut geht?

Manchmal habe ich das Gefühl, wir leben alle viel zu eng beieinander. Nicht nur in Wohnungen oder auf Straßen. Auch im Alltag. Ständig stößt man irgendwo sofort an Grenzen, weil da schon wieder ein Mensch herumsteht und Raum einnimmt und seinen Platz fordert. Und irgendwann gehen wir uns gegenseitig auf die Nerven, weil niemand mehr richtig Luft bekommt.

Du stellst meine Füße auf weiten Raum – so sagt eine zu Gott in der Bibel. Ich habe Platz mich zu entfalten, meinen Weg zu suchen und zu gehen. Weite Räume, jede Menge Platz und Freiheit. Geht das denn, wenn wir so dicht beieinander wohnen, wenn Raum zum Leben immer effizienter und enger wird? Ich glaube jeder braucht eine gewisse Weite: zum Bewegen, zum Blick schweifen lassen, um Schritte in die eine und in die andere Richtung auszuprobieren. Weite Räume für ausschweifende Bewegungen, zum Atem holen – und daher rührt auch die Sehnsucht „Raus aufs Land“ – in die Weite, wo der Horizont so offen ist, Himmel und Erde am Ende des Getreidefeldes verschmelzen. Du stellst meine Füße auf weiten Raum – und manchmal ist der weite Raum eben auch der Slalom um die anderen drum herum. Das wichtigste ist doch, dass ich mir die weiten Räume im Kopf nehmen lassen – dann finden sie auch meine Füße. Egal wo.