Am Boden liegen zwei Kerzen mit der Aufschrift „R.I.P.“ und rosa Blumen. Im Hintergrund steht ein Polizeiwagen, während Beamte im Bereich ermitteln. Eine Regenbogenfahne weht in der Nähe, was auf eine Gedenkfeier für eine Person hindeutet.
27.07
2026
06:50
Uhr

Zum Anschlag auf den CSD-Berlin

Sommer, Sonne, Leichtigkeit. Mit diesem Gefühl bin ich ins Wochenende gestartet. Berlin fühlt sich wie Italien an, wenn das Leben draußen stattfindet. Und bunt ist es an diesem Samstag, noch bunter als sonst: Es ist CSD – nicht zu übersehen in Bussen und Bahnen und Straßen. Die Stimmung ist fröhlich und entspannt. So gehe ich schlafen – bis am Sonntagmorgen ein Blick auf`s Handy alles platzen lässt: ein Anschlag auf fröhlich Feiernde. Mindestens eine Tote, zahlreiche Verletzte und Schwerverletzte. Ein erneuter Angriff auf eine offene Gesellschaft. Der Christopher Street Day steht für gleichberechtigtes queeres Leben, für Toleranz, Schutz und Freiheit.

Leben und leben lassen – das ist so ein saloppes Motto, das einem oft in Berlin begegnet, wo Vielfalt ist mit allem Reichtum und allen Herausforderungen, die dazu gehören. In jener Nacht hat jemand das erneut außer Kraft gesetzt: Menschen verletzt, getötet, auf brutale Weise aus dem Weg geräumt, was ins eigene Leben nicht passte. Die Erschütterung ist wieder da – wie damals nach dem Anschlag am Breitscheidplatz, in Magdeburg, Mannheim. Bei allen Sicherheitsvorkehrungen: die Stadt ist zu groß. Leben bleibt angreifbar, verletzlich, gefährdet. Der CSD wurde abgebrochen. Nur wenige Stunden nach dem Anschlag äußert sich einer der Veranstalter mit folgenden Worten: „Wir gehen nicht weg. Wir werden nicht still. Liebe ist immer stärker!“ Und so ist es auch:

Gestern haben sich Menschen verschiedener Religionsgemeinschaften, aus Politik und Gesellschaft in der Berliner Marienkirche zu einer Andacht versammelt, um gemeinsam zu trauern und zu beten. Auch, um zu zeigen: Wir gehen nicht weg. Wir bleiben da und treten füreinander ein. Wir lassen uns den Raum im Herzen nicht nehmen, der mehr aushält als nur den eigenen Lebensentwurf. Wir lassen uns die Freiheit nicht nehmen, die gerade in dieser Stadt so mühsam errungen wurde. Wir halten daran fest: Liebe und Freiheit gehören unbedingt zusammen wie Menschen zueinander und Ost und West in unserem Land. So bete ich an diesem Morgen:

In deine Hände, Gott, lege ich meine Unruhe und meine Angst. Ich bitte dich um die Gegenwart deines Geistes:

Sei gegenwärtig in uns.

In dieser Stadt.

In unserem Land.

Sei bei denen, die verletzt wurden an Leib und Seele.

Lass Liebe stärker sein als Hass und Gewalt. Amen.