Zwei Schafe stehen auf einer grünen Wiese. Sie schauen direkt in die Kamera. Das Gras um sie herum ist unterschiedlich hoch, und der Boden zeigt einige braune Flecken. Die Schafe haben ein weiches, wolliges Fell.
28.07
2026
06:50
Uhr

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln (Psalm 23)

Ein Beitrag von Ulrike Garve

„Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“ – so beginnt das wohl bekannteste Gebet aus dem Alten Testament. Generationen von haben diese Worte gebetet, bis heute werden sie auswendig gelernt. Aber warum?

 

Wenn Gott ein Hirte ist, dann bin ich ein Schaf und alle anderen auch. Dann habe ich – nach allen Bibelgeschichten zu urteilen – einen fürchterlichen Orientierungssinn. – Stimmt nicht! Dann bin ich ein Herdentier und brauche meine Herde um emotional und psychisch gesund zu bleiben. Schließlich ist Einzelhaltung bei Schafen verboten! - Stimmt, was wäre ich ohne Bezüge, Verbindungen und Beziehungen, ganz allein und ohne ein Gegenüber. Ohne ein Du an dem ich zum ich werde… Dann genieße ich die Nähe und den engen Kontakt zu meinen Mitschafen - stimmt nur bedingt, manchmal gehen mir alle anderen auch nur auf die Nerven.

 

Wenn Gott ein Hirte ist, dann bin ich ein Schaf und alle anderen auch. Dann blöke ich herum und tue laut kund, was los ist und was ich schon immer mal sagen wollte - stimmt auch. Und ich will gehört werden und alle anderen auch. Kein Wunder, dass es manchmal ganz schön laut wird. Als Schaf habe ich Angst vor dem bösen Wolf und will und brauche, dass mich jemand beschützt vor dem was größer und stärker ist als ich und manchmal auch vor mir selbst. Dann brauche ich mal einen, der vorangeht, damit ich weiß wohin und mal einen, der hinter mir hergeht und mich antreibt und mal einen, der mich auf dem Weg behält, damit ich nicht in die Irre gehe wie Rotkäppchen beim Blumenpflücken - aber das war eine andere Geschichte.

Wenn Gott ein Hirte ist, und ich ein Schaf, dann bin ich Teil von etwas großem Ganzen - stimmt und der Hirte hat mich als einzelnes Schaf trotzdem auf dem Schirm - das ist eine schöne Vorstellung.

Und dann ist eigentlich ziemlich viel so wie es in echt ist. Ich mag grüne Wiesen, vor allem im Sommer. Ich mag meine Herde, zumindest meistens, auch wenn das offiziell anders heißt. Nur Gras, das esse ich immer noch nicht. Und deshalb bete ich bis heute „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“.