Die Rollkoffer holpern übers Kopfsteinpflaster – eine kommt von links: blondes Haar, lila Koffer – die andere kommt von rechts: Dunkler Dutt, silberner Koffer. An der Kreuzung treffen sie sich. Und rein zufällig komme ich mit dem Fahrrad dazu. „Wir fahren in den Urlaub“ rufen sie mit freudestrahlend entgegen. Eine Woche gemeinsam. Ich habe vergessen wohin. Nicht vergessen habe ich ihre Freude. Und ihre Selbstverständlichkeit wie sie miteinander umgingen. Beide Mittesiebzig, beide mit beiden Beinen im Leben stehend, anpackend und selbstbewusst. Und – Freundinnen. Schon immer. Im kleinen Städtchen aufgewachsen, derselbe Kindergarten, dieselbe Schule, immer in der Nähe gewohnt. Wann aus denselben Wegen und den Schnittmengen echte Freundschaft geworden ist bei den beiden – ich weiß es nicht. Vielleicht wissen sie es nicht einmal selbst ganz genau. Oft sieht man sie abends gemeinsam spazieren gehen – der Hund muss raus, und zusammen ist man weniger allein. Was für ein Geschenk! Dass sie voneinander wissen, wie es der anderen geht, was in der Familie los ist, was Partner, Kinder und Enkel umtreibt, wie die andere ihren Kaffee trinkt und welche Macken sie hat und sie sich trotzdem mögen und schätzen.
Heute ist der internationale Tag der Freundschaft. Um zu erinnern, dass wir Freunde brauchen, dass wir mehr sind als wir selbst und als Familie. Das Freunde unser Leben unheimlich bereichern können und dass mit Hilfe von Freunden auch so manches schwere bewältigt werden kann. Für manche sind Freunde Wahlfamilie, für andere eine wichtige Ergänzung. Freunde helfen wachsen und reifen und sich entwickeln, sind ein ehrlicher Spiegel, Weggefährten und manchmal Seelenverwandte.
Als nun die beiden alten Freundin vor mir stehen, sagen sie: Ach komm, ein Drücker und ein Segen, soviel Zeit muss sein ehe wir zum Bahnhof müssen. Und dann stehen wir zu dritt auf der Straße. Ich umarme die beiden und gebe ihnen einen kleinen Reisesegen mit auf ihren Weg. Aber eigentlich, so denke ich als ich nach Hause radle, eigentlich liegt der Segen doch in ihrer Freundschaft. Für die beiden und das strahlt aus. Für die gemeinsame Reise und für den Alltag. Ein hoch auf die Freundschaft. Bei den beiden und bei allen.