Eine Person schreibt mit einem Pinsel auf ein Blatt Papier, während auf einem Holztisch eine Holzplatte mit verschiedenen Nüssen und Datteln sowie einem Glas Milch liegt. Das Setting vermittelt eine kreative und entspannte Atmosphäre.
19.02
2026
06:50
Uhr

Berlinale-Zeit, Fastenzeit, Ramadan

Zwischen Fastenzeit, Kulturfestivals und Alltagsmomenten

Ein Beitrag von Katrin Visse

Donnerstag, Berlinale-Zeit, Fastenzeit, Ramadan. Heute ist der erste Fastentag. Im letzten Jahr fand ich es schön, mich ein bisschen mitnehmen zu lassen in die Ramadan-Stimmung, die Freundinnen und Kollegen verbreitet haben. Ein bisschen so wie Weihnachten, wenn Berlin leer wird und die Dagebliebenen auch weihnachtlich werden. Aufmerksamer, freundlicher. 

Was mir dabei aufgefallen ist letztes Jahr im Ramadan?

Zuerst: Es gibt kaum öffentliche Orte, an denen man sich gut treffen kann. Orte, wo es warm ist und man einfach nur sein kann, ohne etwas zu konsumieren. Wie rar kostenlose schöne Orte im Warmen sind, das war mir vorher nicht bewusst.

Was habe ich noch bemerkt?

Die Müdigkeit am Mittag: in der Bibliothek hab ich manchmal einen Kopf auf den Büchern ruhen gesehen und innerlich geschmunzelt. Klar, Frühstück musste ja schon vor Sonnenaufgang sein. 

Und auch das habe ich erlebt letzten Ramadan: Die Lebensfreude am Abend. Zwei junge Männer haben in der S-Bahn einfach so ihr Baklawa mit mir geteilt. Ihre Lebensfreude war so ansteckend.

Für mich von außen sieht es so aus, als entstünde ein unsichtbares Band auf der ganzen Welt. Auch wenn die Fastenden einander nicht kennen, gar nicht kennen können, bilden sie eine Gemeinschaft, alle durch dasselbe Tun also Nicht-Tun verbunden. Ich stelle mir vor, wie zum Sonnenuntergang dann das Wassertrinken wie eine kleine La-Ola-Welle um den Globus zieht: 17:27 Berlin, 17:32 Nauen, 17:50 Mönchengladbach, dann Amsterdam. Und in Lissabon haben sie noch Durst.

Wo entsteht noch Gemeinschaft, frage ich mich, und wie wird sie gepflegt über so viele andere Unterschiede hinweg? Für die Christen ist wichtig: Gemeinsam beten zu können. Für andere: Für eine gemeinsame Sache zu sein. Den Schutz der Umwelt zum Beispiel. Gerechtigkeit.

Am Abend, beim Abendessen, proste ich innerlich allen zu, die heute gefastet haben. La Ola! Denen, die an die erinnern, die Durst haben – nach Wasser und nach so vielem anderen, nach dem ich auch Durst habe: Friede. Kostenlose warme Orte. Gemeinschaft. 

Auf dass unser gemeinsamer Durst gestillt werde!