Freitagmorgen, im Jahr 5786 nach dem Jüdischen Kalender, im Jahr 1447 nach dem muslimischen. Im Jahr 2026 nach dem Gregorianischen.
Und der Frühling ist nicht mehr weit!
Denn das Universum kennt unsere Zeitrechnung nicht. Genauso wenig die Blumenzwiebeln, die in der Erde stecken und noch weniger die Vögel.
Auch wenn wir hier noch längst nicht daran denken, sind manche von ihnen schon auf dem Weg zu uns. In sich selbst haben sie ihre eigene Zeitrechnung.
Schon vor einiger Zeit sind die Stare losgeflogen: aus Israel, aus dem Libanon, über der Türkei sind sie vielleicht gerade schon oder die ersten in Griechenland. Nicht mehr lange, und sie werden da sein.
Andere sammeln noch Fettreserven für die Reise.
Es gibt Kurzstreckenzieher, hab ich gelernt, und „Langstreckenzieher“ – bis zu 12000 Kilometer legen sie zurück! Wie der Kuckuck zum Beispiel. Einen Monat lang ist er unterwegs. Bald wird er aufbrechen. Er weiß selbst, wann es so weit ist.
Genauso die Nachtigall, aus Mosambique kommt sie.
Aus Angola und aus dem Kongo der Pirol.
Grenzen und Kriege gelten für sie nicht.
Sie wissen, wann es Zeit ist – und sie verfliegen sich auch nicht – selbst junge Vögel, die zum ersten Mal unterwegs sind, nicht! Denn alle Zugvögel tragen von Geburt an eine Art Kompass in sich, der ihnen die Zeit und den Reiseweg vorgibt.
Einen Kompass in sich selbst – den haben die Menschen auch. Also, nicht einen Orientierungssinn, dass wir uns überall schnell zurechtfänden – nein.
Sondern ein inneres Gefühl dafür, was zu tun ist. Oder auch, wann die Zeit für einen Aufbruch ist. Wir nennen es Intuition. Die Schwierigkeit ist nur: Sie ist so leise und bescheiden, dass man sie leicht überfühlt. Man muss ruhig werden und still – so wie ein Vogel beim Fliegen. Und dann, irgendwie ... da versteht man dann, da hört und fühlt man, wo es langgeht.