Es ist Samstag, 34 Tage vor den nächsten Schulferien, 111 Tage noch bis zum Beginn der WM, es ist Fastenzeit und Ramadan:
Gestern Nachmittag, in der Bahn, da war eine Familie – die Kinder mit schönen Kleidchen und die Jungs mit polierten Schuhen und im Kinderwagen unten drin: Große Tupperdosen und mit Alu-Folie Umwickeltes. Ich kombiniere: Da hat sich eine Familie aufgemacht, um jemanden zum Fastenbrechen zu besuchen. Das ist das Schöne im Ramadan: Dass man zusammenkommt, um das Fasten gemeinsam zu brechen. Zusammen sitzt, isst und trinkt.
Wer hingegen alleine ist, spürt die Einsamkeit in dieser Zeit besonders schmerzlich:
Die, die neu in eine Stadt gekommen sind zum Beispiel.
Die, die jemanden vermissen, der im letzten Jahr noch da war.
Die, die sich zerstritten haben – oder aus anderen Gründen alleine sind.
Die Freude des Essens, des Trinkens – überhaupt des Lebens! - nicht mit jemanden teilen zu können, das ist nicht so schön.
Viele Moscheen laden zum Fastenbrechen ein, auch da kommen Leute zum Essen zusammen. In Berlin mittlerweile auch an vielen öffentlichen Orten – auf dem Leopoldplatz oder in der Hamburger Straße. Ich werde auch oft zum Fastenbrechen eingeladen; und jedes Mal ist es anders: Mal ganz fein und offiziell, mit Tischdecken und Grußworten. Und manchmal auf dem Moschee- oder auf dem Wohnzimmerteppich und umso fröhlicher.
Auch in der Katholischen Akademie laden wir zum Fastenbrechen ein. Schon seit über 20 Jahren! Es ist nicht schwer, eigentlich kann das jeder Mensch gut nachmachen, und glauben muss man auch nichts dafür. Es geht so:
Den Tisch decken
Zum Essen einladen,
nämlich zu der Uhrzeit, wenn die Sonne untergeht.
Und dann: sich gemeinsam des Lebens freuen – am Essen, am Trinken, und an allem, was gut und schön ist.