Die Zeit messen wir alle gleich. Auf die Sekunde genau können wir sagen, wann es in Prenzlau oder Kreuzberg zwölf Uhr ist. Ziemlich praktisch, dass wir dasselbe Verständnis von Zeit haben – also wann genau der Unterricht beginnt, wann die Schicht. Wann der Zug fährt. Dafür gibt es die Uhr. Und den Kalender.
Aber manchmal, da passt die allgemeine Zeit einfach nicht mit unseren Leben zusammen.
Wer ein Baby umsorgt, kann ein Lied davon singen. Denn Babys haben ihren ganz eigenen Rhythmus – und der richtet sich überhaupt nicht nach der Uhr. Und so werden auch die, die für sie sorgen, in diesen Rhythmus hineingezogen. Und sind manchmal müde, wenn es sich mit der Zeitrechnung der restlichen Welt überschneidet.
Auch Trauernde haben ihre eigene Zeit. Und Verliebte sowieso.
Im alten Japan hat man die Zeit mit Geschichten gemessen. Die Schwertschmiede der Samurai haben erzählt, während sie den Stahl in die Glut hielten. Wenn die Geschichte zu Ende erzählt war, hatte der Stahl die perfekte Temperatur, um zu einem Samurai-Schwert geschmiedet zu werden.
Heute ist Rosenmontag. Dort, wo der Karneval groß gefeiert wird, da ist der wichtigste Tag in dieser Zeitrechnung: heute! Seit Monaten wurden auf heute hin: Tänze eingeübt! Wagen gebaut! Choreografien einstudiert. Reden gereimt.
Morgen noch Faschingsdienstag. Und am Mittwoch alles wieder vorbei.
Einen Tag die Zeit anders zählen. Aus der Zeit fallen. Super! Mich daran erinnern lassen, dass es anderes zu messen und zu erleben gibt als das, was der Kalender für heute vorschlägt.
Und dass ich mit meiner Zeit: in der Ewigkeit stehe.