Die Zeit messen wir alle gleich; heute ist Mittwoch. Für Buddhisten beginnt heute ein Neues Jahr. Für Christen beginnt heute die Fastenzeit. Und für Musliminnen und Muslime heute Nacht der Fastenmonat Ramadan.
Zu der Zeitrechnung, die alle haben, kommt also heute noch eine andere Zeitrechnung da zu: 40 Fastentage bis Ostern. Oder 30 bis zum nächsten Neumond. Oder: So viele Stunden noch bis zum Sonnenuntergang – und soundsoviele bis zum nächsten Sonnenaufgang.
Für Muslime heißt es im Ramadan schlicht: Nichts essen und nichts trinken, während die Sonne am Himmel steht. Und natürlich auch dies: Mehr auf Gott besinnen. Und versuchen, ein guter Mensch zu sein.
Während sich im Islam seit 1400 Jahren nichts an der Praxis des Fastens geändert hat und um den ganzen Globus herum gleich ist, hat sich im Christentum eine große Vielfalt entwickelt, wie diese 40 Tage vor Ostern gestaltet werden. Manche Christen im Nahen Osten fasten vegan. Andere essen nur eine Mahlzeit am Tag. Manche verzichten auf Fleisch oder Süßigkeiten.
Neben denen, denen diese Fastenzeit auch gar nichts bedeutet, gibt es auch viele, bei denen das Fasten vom Körper in den Kopf gewandert ist. Es geht dann nicht darum, auf Essen zu verzichten, sondern darum, an seiner Haltung zu arbeiten – indem man bestimmte Dinge tut und andere unterlässt.
Und egal, wie man die nächsten Wochen begeht: Bloß nicht vergleichen. Das macht nur unglücklich. Und jedem seine Art lassen: Wer fastet, braucht kein Mitleid, und meistens will er auch keins. Und wer nicht fastet, braucht auch keine Belehrung über seine Lebensgewohnheiten.
Aber was man sehr wohl tun kann, ist dies: sich anstecken lassen, wenn etwas anders ist.
Wenn jemand andere Wege geht – oder zu anderen Uhrzeiten und wenn er dabei auf andere Menschen trifft. Wenn jemand für sich neu darüber nachdenkt, was ihm, was ihr, wichtig ist, wenn die Routine einmal durchbrochen ist.
Ich bin schon neugierig, auf welche Ideen wir dabei alle kommen werden.