Eine Hand hält eine schwarze Bibel mit einem weißen Kreuz auf dem Cover. Der Hintergrund ist unscharf und dunkel, was die Bibel in den Vordergrund rückt. Die Hand zeigt eine enge Verbindung zum religiösen Text.
13.06
2026
06:50
Uhr

Die öffentliche Seite des Glaubens

Glaube im Handeln sichtbar machen

Ein Beitrag von Joachim Opahle

Im dritten Jahrhundert schreibt der Gelehrte Cyprian von Karthago an seinen Freund Donatus: „Ich habe ein ruhiges und heiliges Volk entdeckt, das ein großes Geheimnis hat. Es sind Menschen, die eine Freude gefunden haben, die tausendmal fröhlicher ist als alle Vergnügungen unseres sündigen Lebens“. „Diese Menschen“ – schreibt Cyprian weiter – „werden verachtet und verfolgt, aber das macht ihnen nichts aus. Es sind Christen, Donatus, und ich bin einer von ihnen“ (Des heiligen Kirchenvaters Caecilius Cyprianus Briefe. Bibliothek der Kirchenväter, Band 60, München 1928)

Hierzulande werden Christen üblicherweise nicht verfolgt und verachtet, jedenfalls nicht von Staats wegen. Es ist aber noch gar nicht so lange her, dass religiöse Menschen auch in unseren Breiten Nachteile und große Opfer auf sich nehmen mussten, wenn sie sich öffentlich zu ihrem Glauben bekennen wollten. Mittlerweile scheint es eher so, dass Christsein nichts mehr kostet, außer vielleicht Kirchensteuer.

Christlich leben in unserer Zeit, das hat viel mit einer inneren Überzeugung zu tun: dass der Glaube bedeutsam ist für ein erfülltes Leben, dass es einen Grund dafür geben muss, warum überhaupt etwas existiert, dass mit dem Tod nicht alles aus ist.

Dies alles sind innere, persönliche Gründe für einen Glauben. Aber wer solche Gründe für sich entdeckt, dem leuchtet auch ein, dass so ein Glaube Wirkung zeigt. Dass einer spürt: So wie der denkt, so handelt er auch. Gläubige Menschen werden leidvolle Umstände niemals einfach hinnehmen, sondern sie zu verbessern trachten. Jemand, der seinen Glauben als Geschenk versteht, wird ihn auch mit anderen teilen wollen. Bis dahin, dass die Kirchen, die einen solchen Glauben organisatorisch umgreifen, eine wichtige Rolle spielen können, zum Beispiel als Anwälte von Benachteiligten und Rechtlosen.

Deswegen sind Religion und Glaube nicht nur eine Angelegenheit fürs eigene Herz und fürs stille Kämmerlein. Glaube, den man nicht hört und sieht, gleicht einem Licht, das unter dem Scheffel steht. Es leuchtet nur für sich selbst. Glaube, von dem die Bibel spricht, ist dagegen wie ein Sauerteig, der seine Umgebung zum Positiven hin verändert.