Wenn es Fußball nicht gäbe –müsste man ihn sofort erfinden. Keine andere Sportart sagt so viel über den Menschen und seine sozialen Bedürfnisse aus, wie das Spiel, bei dem es bekanntlich hauptsächlich darum geht, das Runde ins Eckige zu befördern.
Manche meinen ja, das Spektakel wird überbewertet. Ich denke das nicht. Denn beim Fußballspielen zuzuschauen, ist ja viel mehr als bloße Unterhaltung. Nicht nur Spieler und Trainer erfreuen uns mit umwerfenden Erkenntnissen, wenn es darum geht, zu erklären, warum eine Mannschaft erst kein Glück hatte, und dann auch noch Pech dazukam…
Jaja, die Fußball-Philosophie! Wenn 22 Mann einem Ball hinterherjagen, und ihn sich gegenseitig abjagen, bis er endlich ins Tor trifft, dann könnte man sagen, das ist halt Wettbewerb und Ehrgeiz. Man könnte es auch etwas nobler ausdrücken, indem man feststellt, es handle sich hier um „das Heraustreten aus dem versklavten Ernst des Alltags und seiner Lebensbesorgnis in den freien Ernst dessen, was nicht sein muss und gerade darum schön ist. Eine zweckfreie Tätigkeit, ein Spiel, eine Art „Heimkehr ins Paradies“ – so jedenfalls sprach einst Josef Ratzinger als Münchner Erzbischof und späterer Papst Benedikt.
Ein freies Spiel ohne Zwang – das ist ein menschliches Bedürfnis. Aber es kommt noch mehr dazu: zum Beispiel die Verbindung über Grenzen hinweg, die Förderung von Tugenden wie Teamgeist.
Was sagt eigentlich die Bibel zum Fußball? Erstaunlich wenig, beziehungsweise gar nichts. Und das, obwohl im Altertum Ballsport bereits bekannt war, in China, Ägypten oder bei den Azteken in Lateinamerika. Der Apostel Paulus, den man als den „Sportexperten“ des Neuen Testaments bezeichnen könnte, hat allerdings gerne die Popularität antiker Wettkämpfe genutzt, um für geistliche Wahrheiten zu werben:
„Wisst ihr nicht, dass die Läufer im Stadion zwar alle laufen, aber nur einer den Siegespreis bekommt? Lauft so, dass ihr ihn gewinnt!“ – schreibt er an die frühchristliche Gemeinde in Korinth. Und auch Fairness hält er für unverzichtbar. In seinem Brief an Timotheus betont er, dass ein Kämpfer nur dann den Siegeskranz erhält, wenn er „nach den Regeln kämpft“.