Mir gehen die Bilder nicht aus dem Kopf, die die Raumsonde Artemis unlängst aus dem Weltall übermittelt hat. Atemberaubend die Perspektiven von der Umrundung des Mondes und dann von dort der Blick auf den blauen Planeten Erde.
Die Astronauten berichteten von einem „Perspektivwechsel“, den sie bei ihrer Reise zum Mond und zurück erfahren haben, als sie die Erde betrachteten. Unser Planet erscheint klein, verletzlich, wie verloren in der riesigen Unendlichkeit des Kosmos, unbeweglich im Raum stehend mit einer stummen Nachricht: alle Menschen sind geeint in der gemeinsamen Zugehörigkeit zu diesem Planeten Erde. Was für ein Appell an die kollektive Verantwortung aller zum Erhalt dieses Geschenks. Ein Bild, das leider im Widerspruch steht zur Realität von Kriegen, Umweltzerstörung und Gewalt, die sichtbar werden, wenn man den Planeten aus der Nähe betrachtet.
Auf der blauen Kugel, derzeit Heimat von mehr als acht Milliarden Menschen, sind aus dem Weltall keine Grenzen zu sehen. Das sollte uns Mut machen, uns unten auf der Erde mit der feindlichen Abgrenzung zwischen Nationen oder auch Religionen nicht abzufinden.
Wie sinnlos waren alle Kriege und gewaltsamen Eroberungen, wenn man in der Geschichte der Menschheit zurückblickt. Noch nie hat ein Krieg irgendetwas Gutes bewirkt. Diktatoren kamen und gingen, vermeintlich tausendjährige ewige Reiche verschwanden von der Landkarte, schneller als erwartet. Die Erde hat sie scheinbar geduldig ertragen. Aber wie relativ erscheint das alles, wenn man in astronomischen Zeitrechnungen denkt.
Mich mahnt der Blick aus dem Weltall auf unseren Planeten zu Gelassenheit und Friedfertigkeit. Für uns alle könnte es ein Ansporn sein, unterschiedliche Auffassungen auszuhalten, ohne uns gegenseitig mit persönlichen Attacken anzufeinden und in verbale Kriegszustände zu geraten. Was unsere Welt so dringend braucht, ist menschlich beieinander zu bleiben trotz so vieler Unterschiede; Konflikte geduldig und friedvoll auszutragen; immer wieder Kompromisse zu suchen; einander barmherzig und versöhnlich zu begegnen.
Damit nicht nur wir, sondern auch nachfolgende Generationen noch eine bewohnbare Erde haben.